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Arbeit am laufenden Band – Parilla Premium Potato Farm

Marcel mit Hi-Vis-Arbeitskleidung in Hängematte.

Hallo! Da sind wir wieder. Und zwar nicht mit Sonnenbrand und Rückenschmerzen vom Weintraubenpflücken, wie im letzten Beitrag angekündigt, sondern mit Zwiebelgeruch an den Händen und Dreck in den Haaren. Wir sind auf einer riesigen Kartoffel- und Zwiebelfarm “Parilla Premium Potatoes” gelandet und haben hier Arbeit am laufenden Band. Warum die überraschende Planänderung?

Dieses Jahr spielt das Wetter in Australien verrückt

Vermutlich habt ihr vor Kurzem von den außergewöhnlich aggressiven Buschbränden in Australien gehört. Ein Grund dafür war die extreme Hitzeperiode Ende Dezember. Dieser Hitzeperiode folgte dann allerdings eine eher kalte und erstaunlich sonnenarme Periode im Januar. Das Wetter hier spielt, wie ihr hört, verrückt und bringt die ganze Landwirtschaft Australiens durcheinander. Und damit natürlich auch die Traubenernte. 🍇

Nach vier Wochen bei Bruce in Adelaide wollten wir eigentlich nach Mildura fahren und dort Weintrauben pflücken. Ein paar Tage vor Arbeitsbeginn bekamen wir allerdings eine Mail, dass die Trauben noch nicht reif seien und die Ernte um drei Wochen nach hinten verschoben werden müsse.

„Verdammte Axt! Wir wollten doch endlich etwas Geld verdienen.“, dachten wir. „Na gut, was man nicht ändern kann, kann man nicht ändern.“

Faule Couchpotatoes

Wir wollten uns weder über Dinge ärgern, die wir nicht ändern können, noch wollten wir weiterhin bei Bruce auf der faulen Haut liegen und „Couchpotato“ spielen, wie seine Exfrau Couchsurfer nennt. Also organisierten wir uns kurzerhand über einen Facebook-Kontakt Arbeit für zwei Wochen auf einer Kartoffelfarm. Genauer: Bei „Parilla Premium Potatoes“, einer riesigen Farm ca. 2,5 Stunden Autofahrt östlich von Adelaide.

„Passt doch.“, erklärten wir Bruce lachend. „Deine Couchpotatoes arbeiten jetzt am laufenden Band auf einer Potato-Farm.“

Ich freute mich, ehrlich gesagt, schon ein bisschen auf die Arbeit, denn bisher habe ich nur in Teilzeit an der Uni, im Büro und als Kellnerin gearbeitet. Vollzeit auf einer großen Farm wäre mal wieder was ganz Neues. Im Nachhinein denke ich mir, “Wie blöd bin ich eigentlich gewesen?”. Ein bisschen so wie damals in der Grundschule. Ich meine, kennt ihr das, wenn frisch eingeschulte Erstklässler unbedingt Hausaufgaben aufbekommen wollen und nicht wissen, was sie alles noch erwartet… ?

Unterkunft im Arbeitslager – das Working Hostel

Unsere Einführung in die Farm mit Erledigung des Papierkrams (Arbeitsvertrag unterschreiben und Co.) war an einem Montag. Am Samstag, also zwei Tage vorher, sicherten wir uns noch schnell ein Doppelzimmer in einem „Working-Hostel“.

Die Unterkunft kostet 125 australische Dollar (ca. 77€) pro Person und Woche und befindet sich in dem in ca. 60-Seelen-Örtchen Parilla, nur 5 Minuten Autofahrt von der Farm entfernt. Die Miete wird dabei direkt vom Lohn abgezogen, sodass wir uns außer 40 Dollar Pfand für den Zimmerschlüssel und einer Unterschrift um nichts kümmern müssen.

Als wir Sonntagabend im Working-Hostel ankamen, wurden wir außerdem positiv überrascht. Die Unterkunft war groß, frisch renoviert und erstaunlich sauber. Viele der anderen Backpacker dort sprachen Deutsch (oder Französisch) und die Vermieterin war super freundlich (mal abgesehen von dem vielen Fluchen, was für Australier aber ganz normal ist).

Wir teilen uns Badezimmer, Küche und Wohnraum mit zwei taiwanesischen Pärchen und haben ein Zimmer mit Doppelbett für uns alleine. Das einzige große Manko des Hostels ist die Internetverbindung bzw. der Handy-Empfang – beides gibt es hier nämlich nicht wirklich. Aber ansonsten ist die Unterkunft für ein Arbeiterlager vollkommen ok.

Kartoffel & Zwiebeln, Kartoffeln & Zwiebeln – Arbeit am laufenden Band

Zimmer bezogen, Arbeitsvertrag unterschrieben, Arbeitskleidung bekommen… und dann? Dann hieß es erstmal warten! Denn wegen starken Regens konnten die Erntemaschinen nicht aufs Feld und es gab die ersten Tage nur wenig Arbeit.

Erst am Mittwoch bekamen wir Arbeit zugeteilt. Unsere erste Schicht war von 5 Uhr morgens bis 14.00 Uhr nachmittags. Unsere Tätigkeit auf der Farm ist – sagen wir mal: leicht zu erklären und die Einweisung lief quasi so ab:

Wir standen an einem breiten Fließband, über das große Mengen Kartoffeln (oder Zwiebeln) liefen. Peter, einer der festangestellten Arbeiter, schnappte sich eine matschige Kartoffel, hielt sie hoch, sagte „Bad!“ („Schlecht!“) und schmiss sie in einen Korb neben dem Fließband. Dann schnappte er sich einen Stein vom Band, hielt ihn hoch, sagte „Bad!“ und schmiss ihn ebenfalls in den Korb. Das wars. Einweisung zu Ende.

Dann stehen wir 8 Stunden am laufenden Band und sortieren Steine, matschige Kartoffeln und zerschnittene Kartoffeln aus. Körperlich wenig anstrengend, aber das Gehirn wird dabei so weich wie eine faulige Kartoffel. Oder eine faulige Zwiebel. Denn nach 4 Stunden Kartoffel-Auslese sind Zwiebeln dran. Trecker-Ladung nach Trecker-Ladung kommen tonnenweise Kartoffeln und Zwiebeln von den riesigen Ackerflächen rings um die Farm herum. Man kann sich das ca. so wie in diesem Video gezeigt vorstellen.

Immerhin dürfen wir alle 3 Stunden eine bezahlte 15-Minuten Pause machen und alle 6 Stunden gibt es eine unbezahlte 30-Minuten Pause. Unser Stundenlohn sind 19,50 $, also ca. 12 € vor Steuern. 😅

Und täglich grüßen Kartoffeln und Zwiebeln, Kartoffeln und Zwiebeln…

So geht das dann eine ganze Weile. Die meisten Tage in den zwei Wochen bei Parilla haben wir Frühschicht – also von 5 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags. Kartoffeln und Zwiebeln. Kartoffeln und Zwiebeln. Wenn wir nach der Arbeit die Augen schließen, hören wir immer noch das Quietschen der Maschine und sehen Kartoffeln und Zwiebeln vor unseren inneren Augen entlang flitzen.

Besonders hervorzuheben ist aber noch der erste Samstag, an dem unsere Schicht um 10.30 Uhr begann. Während unserer Pause um 19 Uhr abends stellten wir fest, dass es gerade eben ein Update in dem Schichtplan für den nächsten Tag gab. Eigentlich sollten wir um 10 Uhr morgens mit der Arbeit beginnen, ABER in der Email steht Folgendes:

Please note that the following people need to start working at 5am tomorrow in Downs:
Frederic, Mona 2 and Marcel.

(Bitte beachtet, dass die folgenden Personen morgen um 5 Uhr im Downs mit der Arbeit beginnen müssen: Frederic, Mona 2 und Marcel)

Mona 2 und Marcel, das sind wir. Mist! Als Samstagabend um 21 Uhr immer noch kein Ende der Arbeit für uns in Sicht ist, haben wir nach Rücksprache mit unserem Vorgesetzen den Feierabend vorgezogen und sind schnell nach Hause gedüst. So weit so gut. Zuhause angekommen stellen wir fest, dass unser Pech noch nicht vorbei ist. Die anderen Arbeiter feiern nämlich eine Feierabend-Party direkt vor unserem Zimmer. Mit lauter Musik. An Einschlafen ist heute und hier also nicht zu denken…

Wollen wir die Spießer sein, die den anderen an ihrem einzigen freien Tag mitten im nirgendwo die einzige Party versauen? Nein! Also… was tun?

Nach Abendessen und einer heißen Dusche beschließen wir, die Nacht im Auto zu verbringen. Jepp, in unserem kleinen Hyundai. Lang wird sie die Nacht ja sowieso nicht werden. Könnt ihr euch vorstellen, wie unsere taiwanesischen Wohnungsgenossen geguckt haben, als wir ihnen mit Kissen und Decken in den Händen erklärt haben, dass wir in 6 Stunden wieder an der Arbeit sein müssen und die Nacht im Auto schlafen werden? 😊

Wie geht’s weiter?

Bis Montag werden wir noch Kartoffeln und Zwiebeln streicheln (wie Marcel unsere Tätigkeit liebevoll beschreibt) und dann vermutlich zur Weintraubenernte nach Mildura fahren. Wenn wir Internet haben, werden wir euch auf dem Laufenden halten und können euch dann hoffentlich auch sagen, wie viel Geld wir in den zwei Wochen bei Parilla insgesamt verdient haben.

Für zwei Wochen ist der Job trotz blöder Zeiten und monotoner Arbeit völlig ok, aber mehrere Monate, oder gar Jahre? So einen Job so lange zu machen können wir uns beim besten Willen nicht vorstellen! Wir sagen nur, Kartoffeln und Zwiebeln Kartoffeln und Zwiebeln und sind froh, wenn es weiter geht. 😊

Viele liebe Grüße und bis bald! ♡

 

4 Gedanken zu „Arbeit am laufenden Band – Parilla Premium Potato Farm

  1. Hallo ihr zwei!
    Mache gerade meine Mittagspause zu Hause und freue mich über euren neuen Bericht

    Ganz liebe Grüße aus Freckenhorst Nefanie 😉

    1. Hallo Nefanie. Das freut uns sehr! Hab eine schöne Mittagspause und viel Spaß beim Lesen. ♡ Ganz liebe Grüße (wieder aus Adelaide), Marcel & Mona

  2. Hallo ihr zwei!
    Helena und ich hatten gerade großen Spaß beim Lesen eures Berichts, besonders die Sätze über die Einweisung 😂 in eure Arbeit.
    Ganz liebe Grüße aus Zeppelinheim!

    1. Hallo ihr beiden! Das freut uns sehr. Die Arbeit war aber auch wirklich… sagen wir mal “simpel”. 😅 Unsere nächste Arbeit als Traubenpflücker ist da schon besser, aber dazu wirds demnächst noch einen eigenen Beitrag geben. Viele liebe Grüße ♡

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