South AustraliaGedanken & Gedichte

Das bedingungslose Grundeinkommen

Löffel-Waage mit Münzen auf der einen und Kartoffeln auf der anderen Seite. Symbol für das bedingungslose Grundeinkommen.


Hello! Wir haben die Kartoffelfarm in Parilla mittlerweile zwar schon hinter uns gelassen, aber diesen Beitrag hatte ich in unserer Zeit dort verfasst und völlig vergessen zu veröffentlichen. 🙈 Deswegen hier noch ein kleiner Einschub, bevor wir euch in den nächsten Tagen von unserer Rückreise zu Bruce und unserer Arbeit als Weintrauben-Pflücker berichten. 🍇

Und noch ein kleiner Disclaimer vorab: Dieser Beitrag berichtet nicht direkt von unserer Reise, sondern zählt zu den Gedanken, die uns während der Arbeit gekommen sind. Aber lest selbst. 🙂 

Wir stehen am Fließband. Mitten im Nirgendwo. Acht, neun, zehn, elf Stunden lang. Und was machen wir? Wir nehmen Steine und faulige Lebensmittel vom Band.

Am Band stehen nicht nur wir. Zwischen 4 und 16 „Grader“ sind rund um die Uhr damit beschäftigt, Trecker-Ladung um Trecker-Ladung nach unerwünschten Dingen zu durchsuchen. Je länger eine Person schon am Band steht, desto höher wird dabei logischerweise ihre Fehlerquote.

Nach 6 Stunden vorbeiflitzenden Kartoffeln und Zwiebeln, Kartoffeln und Zwiebeln werden Menschen nun mal müde, gelangweilt und langsam. Maschinen könnten diesen Job tausend Mal besser erledigen.


Ein großes Problem und eine Chance…

Wenn selbstfahrende Autos im Silicon Valley schon Schnee von gestern sind, dann wird es doch auch wohl Maschinen geben, die gute Kartoffeln von Steinen unterscheiden können. Und das deutlich schneller, effizienter und kostengünstiger als jeder Mensch.

Werden wir also bald durch KI gesteuerte Maschinen ersetzt?

Hoffentlich!
…Hoffentlich?

JA! Denn das könnte so viele Vorteile für uns Menschen bedeuten. Ein maschinen-gestützer Betrieb kann seine Ausgaben senken und den Umsatz steigern. Die Firmen-Besitzer können deutlich mehr Geld machen.

Aber was wäre mit den Arbeitern? Wären dann nicht alle arbeitslos? Das ist doch eher uncool…

Erstmal ja, denn keine Arbeit bedeutet kein Geld. Arbeitslosigkeit und kein Geld sind eng mit Unzufriedenheit verknüpft. Die Menschen könnten nichts mehr kaufen und die Wirtschaft unseres Landes würde darunter leiden.

Das Szenario wäre also folgendes: wenige, superreiche Firmen-Besitzer und eine breite Masse unzufriedener, kaufschwacher Arbeitsloser in der Bevölkerung. Klingt nach Revolution…

Genau! Und das möchte wohl keiner der Reichen, denn das würde ihren eigenen Wohlstand wiederum gefährden.

Aber genau darauf steuern wir zu. Immer mehr Jobs werden durch Roboter ersetzt, Arbeiter werden arbeitslos und die Reichen werden reicher. Was wären Lösungsideen?


Das bedingungslose Grundeinkommen als Lösung

Zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen. Stell dir vor, jeder Staatsbürger würde 1000€ pro Monat bekommen – ganz egal, ob er arbeiten geht oder nicht.

„Das wäre unfair!“, sagen manche sofort.
Aber ist es das wirklich?

Jeder bekommt 1000€. Jeder.


Gehe ich nicht arbeiten, habe ich 1000€ pro Monat und muss damit zurecht kommen. Dafür habe ich viel Zeit.
Gehe ich dagegen arbeiten, habe ich vielleicht 3000€ oder 4000€ pro Monat und kann mir Haus und Auto leisten. Dafür habe ich weniger Zeit. Was ist daran unfair?


Mal weitergedacht…

„Aber dann würden viel mehr Menschen einfach nur rumsitzen und den ganzen Tag Netflix schauen!“, ist ein anders Argument gegen das bedingungslose Grundeinkommen. Und auch hier stellt sich sofort wieder die Frage: Stimmt das wirklich?

Wer von euch würde wirklich Jahre am Stück nur Netflix schauen wollen? Ein Wochenende nach einer anstrengenden Woche, ok. Am Abend ein paar Stunden, ok. Aber nur wirklich wenige würden ihr ganzes Leben lang einfach nur rumsitzen und nix tun. Und selbst wenn, was ist so schlimm daran? Wie viel Gutes bedeuten bedingungslose 1000€ für 95% aller Nicht-Superfaulen?

Und sei es, dass man auf eine halbe Stelle reduzieren kann und plötzlich mehr Zeit für sein Hobbies wie Malen, Musizieren oder Umweltprojekte hat.

Wie wertvoll für die Gesellschaft wäre z.B. ein Mitfünfziger, der plötzlich beschließt, seinen Job aufzugeben und Jugendliche im Fußball zu trainieren. Einfach nur, weil er es kann, ohne zu verhungern.

Oder eine unglückliche Büroangestellte, die sich plötzlich traut, den Mund aufzumachen, um nicht mehr Überstunde um Überstunde arbeiten zu müssen und stattdessen mehr Zeit für ihre zwei Kinder hat?

Das bedingungslose Grundeinkommen für eine bessere Zukunft

Die Sicherheit, dass wir immer genug Geld für Essen und eine warme Wohnung haben, wäre mit dem bedingungslosen Grundeinkommen quasi unser Grundstatus. Arbeiten für Geld würde uns nur mehr Luxus bringen. Die Menschen hätten Zeit für Sinnvolleres, als am Band zu stehen und Steine von Kartoffeln zu unterscheiden. Zeit für Kreatives, Soziales oder Angenehmes. Irgendwas, das KI-gesteuerte Roboter (noch) nicht können, weil ihnen die Fähigkeit zu Genussempfinden fehlt.

Wäre das nicht schön?
Mensch und Maschine Hand in Hand?

„1000€ pro Monat für jeden Bürger? Wer soll das Ganze denn bezahlen?“, ist eine weitere, berechtigte Frage. Tatsächlich kommt hier wieder das oben beschriebene Szenario ins Spiel. Durch die Maschinenarbeit sinkt der Gewinn der Unternehmen ja nicht. Im Gegenteil, ihr Umsatz steigt. Fehlerfreiere Produkte können weiterhin verkauft werden und Löhne müssen nicht mehr bezahlt werden. Das Geld fließt weiterhin in die Taschen der Unternehmer. Aber kein Unternehmer möchte einen wütenden Mob in den Straßen. Kein Unternehmer möchte, dass seine Produkte nicht mehr gekauft werden können, weil der breiten Bevölkerung das Geld dafür gehlt. Unser System ist auf Konsum ausgerichtet und dafür braucht die Masse Geld.

Klar, es ist schwierig, den Unternehmern noch eine Steuer mehr aufzudrücken, denn Steuern reduzieren den persönlichen Gewinn. Aber jeder, der die Situation bis zum Ende durchdenkt, sollte verstehen, wo uns der aktuelle Trend sonst hinführt. Wir haben die Wahl.

Ein Appell

Als wir darüber gesprochen haben, ist uns aufgefallen, dass auch wir unseren Teil für das bedingungslose Grundeinkommen beitragen können. Deswegen bitten wir jeden, der das hier liest,  nicht einfach gegen das bedingungslose Grundeinkommen zu sein. Denkt einfach mal in Ruhe darüber nach und entscheidet euch dann, ob ihr es gut oder sinnlos findet.

Denn viele Menschen denken voreilig „Unfair!“, „Schwachsinn!“ oder „Unmöglich!“ – ohne vorher ernsthaft über die Argumente nachgedacht zu haben. Ist das bedingungslose Grundeinkommen WIRKLICH unfair, schwachsinnig oder unmöglich?

Wir glauben nein. Falls ihr das auch denkt, helft uns, diese Gedanken zu verbreiten. Damit genug Menschen offen für die Idee sind, wenn die Zeit reif dafür ist.

Danke 😊

P.S.: Über Crowdfunding finanziert, gibt es ein interessantes Projekt (mein-grundeinkommen.de), in dem für ein Jahr lang ein bedingungsloses Grundeinkommen verlost wird. Falls man bei der Verlosung gewinnt, bekommt man für 12 Monate 1000€ pro Monat einfach so geschenkt. Interessant, oder?
Falls ihr euch für die Verlosung registrieren wollt, haben wir auch diesen Freunde-Link. Sollte einer von uns bei der Verlosung gewinnen, wird ein zweites Grundeinkommen unter den Freunden des Gewinners ausgelost.

Ein Gedanke zu „Das bedingungslose Grundeinkommen

  1. Hallo ihr Beiden!
    Den Gedanken kann nur eure Generation weiter führen.
    Unsere Zeit ist fast vorbei. Vielleicht kommt ihr ja in den Genuss der Selbstbestimmung.
    Ohne euch den Mut zu nehmen, bin ich überzeugt das ist ein Wunschdenken.
    Aber das soll euch nicht entmutigen weiter an einer besseren Welt zu arbeiten.

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