Victoria

Calf Rearing – Kälberaufzucht in einem Milchviehbetrieb in Australien

G’day! Heute wollen wir dich mitnehmen in einen unserer Arbeitstage in der Kälberaufzucht (“calf rearing”). Denn in einem Milchviehbetrieb mit 1700 Milchkühen gibt es natürlich auch… viele Kälbchen!

Denn ohne Kälbchen keine Milch.

Bevor wir mit unserer Schicht anfangen, wollen wir vorher noch kurz klären, woher die kleinen Kälbchen kommen. Denn sie werden nicht vom Storch gebracht und es passiert schon so einiges, bevor sie überhaupt bei uns landen. 

Woher die kleinen Kälbchen kommen

In vielen industriellen Milchviehbetrieben ist die künstliche Befruchtung der Kühe (“Artificial Insemnination”) Standard. Für den Großteil der Kälber findet also kein direkter Kontakt zwischen Bulle und Kuh statt. 

In manchen Betrieben werden alle Kühe zur gleichen Zeit künstlich befruchtet, sodass die Kälbchen alle in etwa zur gleichen Zeit des Jahres geboren werden. Das ist in unserem Betrieb nicht der Fall.

Auf der Dairy Farm hier haben alle Kühe eine Art Pflaster auf dem Rücken, das ihre Temperatur misst. Ist eine Kuh fruchtbar, färbt sich das Pflaster rot und sie wird direkt nach dem Melken künstlich befruchtet. Dafür ist eine extra Person eingestellt, die am Ende der rotierenden Melkplattform steht und den Prozess innerhalb von etwa 30 Sekunden durchführt. 

Da jeden Tag ein paar der 1700 Kühe fruchtbar sind und dann auch direkt befruchtet werden, werden auch ganzjährig Kälbchen geboren. Und das wiederum bedeutet, dass sich ganzjährig jemand um die frischen Kälbchen kümmern muss, denn bei ihren Mamis dürfen sie nicht bleiben.

Die frisch geborenen Kälbchen bleiben nach der Geburt also keine 24 Stunden bei ihren Müttern, sondern werden direkt weggenommen und in kleine Ställe gebracht. Dabei wird in ihrer Behandlung stark zwischen männlichen und weiblichen Kälbchen unterschieden.

Ist es ein weibliches Kalb (“heifer“), bekommt es eine bessere Behandlung, denn sie soll gesund bleiben und später einige Jahre lang viel Milch geben. 

Ist es ein männliches Kalb (“bull calf“), wird es “am Leben gehalten”. Es bekommt aber z.B. nicht die gute Kolostrom-Milch (das ist die besonders nahrhafte und wichtige Vormilch, die Säugetier-Mütter in den ersten Tagen nach der Geburt geben), denn diese Kolostrum-Milch ist den weiblichen Kälbchen vorbehalten.

Je nach aktuellen Preisen für Rinder, werden die männlichen Kälbchen zwischen 7 Tagen und ein paar Monaten nach ihrer Geburt verkauft. Dann haben sie noch ein paar Monate mehr zu leben, bevor sie groß genug sind und in die Fleischfabriken gebracht werden können.

Könnt ihr erraten, wie viel so ein 7 Tage altes, männliches Kälbchen kostet? 

Vielleicht 300 Dollar? Vielleicht 500 Dollar?

50 Dollar (ca. 32 Euro) für so ein kleines Lebewesen!

(Als wir den Preis erfahren haben, hat Marcel schon überlegt, ob wir uns ein paar kleine Kälbchen kaufen und sie als Rasenmäher für die Wiese vor unserem Haus benutzen. Da hätten sie auf jeden Fall ein besseres Leben als auf dem Weg zur Fleischfabrik… )

Wie ihr vielleicht schon merkt, sind männliche Kälbchen eher das “Abfallprodukt” der Milchindustrie. Die Besitzerin der Dairy Farm erklärte uns an unserem ersten Tag hier z.B. auch, dass sie diesen Teil der Milchproduktion gar nicht möge und sie bei der künstlichen Befruchtung der Kühe probieren, die Chancen auf ein weibliches Kalb zu erhöhen

Nun gut, so viel also zu der Sache “Woher die kleinen Kälbchen kommen“.

Beginnen wir jetzt unseren Arbeitstag!

Unser Tag im Calf Rearing beginnt früh am Morgen

Unsere Schicht beginnt um 6 Uhr morgens im Hauptteil der Dairy Farm.

Wir stehen also um 5 Uhr morgens auf, putzen Zähne, bereiten uns Kaffee-to-go in Thermobechern zu und ziehen uns Gummistiefel, sowie mehrere Lagen Arbeitskleidung an. Denn morgens um 6 Uhr kann es mitten im australischen Winter noch sehr kalt sein (ca. 2 Grad) und wir müssen auch bei Wind und Regen draußen rumlaufen. Außerdem haben fast alle Jobs hier auf der Dairy Farm sehr viel mit Matsch und Kuh-Kacke zu tun. Also… ein echter Farm-Job.

Um viertel vor 6 Uhr steigen wir in unser Auto und machen uns auf den Weg zum Hauptteil der Dairy Farm. Bis dorthin  fahren wir von unserem Haus aus ca. 10 Minuten und können leicht über pünktlich um 5.55 Uhr mit unserer Zeitkarte einchecken

Dann ziehen wir uns noch Regenhosen und hellblaue Einweg-Handschuhe (die, die man vom Arzt kennt) an und beginnen mit der Arbeit. 

Während Mona Spraydosen, Eimer, “Tubes” Spritzen + Nadeln und ein paar Flaschen Medizin aus dem Kühlschrank holt, koppelt Marcel den “großen Feeder” an das Quad-Bike und beginnt, den Feeder mit warmer Milch zu füllen.

Falls ihr euch jetzt fragt, was Tubes und Feeder sind, hier mal ein paar kurze Erklärungen. 

Feeder sind quasi große, künstliche Euter aus Plastik. Wir unterscheiden zwischen den “kleinen” Feedern und den “großen Feedern”.

Die kleinen Feeder haben ein Fassungsvolumen von ca. 25 Litern und 5 Zitzen auf einer Seite. Sie werden bei den frischen Kälbchen in die Ställe einhängen.
Die großen Feeder sind große, ovale Tanks auf Rädern mit 50 Zitzen ringsherum. Sie werden ans Quad-Bike angehangen und auf die Felder gefahren, um dort die größeren Herden an etwas älteren Kälbchen (7 Tage aufwärts) zu füttern. 

Mit “Tube” oder “Tuba” ist hier auf der Dairy Farm eine ca. 2 Liter Plastikflasche gemeint, auf die man einen Deckel mit integriertem Schlauch schrauben kann. Am Ende des Schlauches ist nochmal eine Plastik Stange befestigt. (Für ein Bild der Tuba siehe Video weiter unten.)
Wenn ein Kälbchen nicht aus den Feedern trinken will, krank ist, oder einfach nicht schnell genug trinken kann, können wir es mithilfe der Tuba künstlich füttern. Dazu wird das Stück Plastik in die Speiseröhre des Kälbchens gesteckt und ihm entweder Milch oder warmes Wasser mit Elektrolyten “eingeflößt”

Die frisch geboren Kälbchen bekommen ihre erste Nahrung immer mit der Tuba. Das wird nicht von uns durchgeführt, sondern von der Person, die die Kälbchen von ihren Müttern abholt. Bisher haben wir es schon einmal erlebt, dass dieser Person ein Fehler passiert ist und sie ein frisches Kälbchen falsch getubet hat. Sie hat das Ende der Tuba nicht in die Speiseröhre, sondern in die Luftröhre des Kälbchens gesteckt. Das Kalb kam dann bei uns an und sah ziemlich lädiert aus. Es hatte Milch in der Lunge große Schwierigkeiten beim Atmen.

Unsere Vorgesetzte meinte, dass es keine großen Überlebenschancen hätte und wir es morgen bestimmt tot in seinem Stall finden würden. Aber… wir hatten bei unserer Freiwilligenarbeit in Bessiebelle gehört, dass man Kälber mit Flüssigkeit in der Lunge dort kopfüber hält oder aufhängt, sodass die Flüssigkeit wieder aus dem Mund rauslaufen kann. Naja, wir haben das arme Wesen mit Milch in der Lunge dann etwas bearbeitet und vernünftig gebettet und siehe da… es überlebte! (Ob das jetzt an unseren Milch-Raushol-Versuchen lag oder daran, dass es einfach einen sehr starken Körper hatte… who knows. Aber wir waren froh, es nicht tot wiederzufinden!

Ok, weiter im Text. 😀 

 

Calf Rearing bei den Bull Calfs

Mit all diesen Dingen ausgestattet, machen wir uns als erstes auf den Weg zu den frischen Bull Calfs (den männlichen Kälbchen). Diese werden in kleinen Ställen quasi direkt neben der Molkerei gehalten. 

Pro Stall haben wir ca. 4-10 Kälbchen. Alle jünger als 7 Tage. 

Wir hängen die kleinen Feeder in den Stall, füllen sie mit der Milch und müssen dann sicherstellen, dass alle Kälbchen trinken. Das ist etwas tricky, denn die ganz frischen Kälbchen haben keinen Plan, was gerade überhaupt ab geht.

Wir müssen ihnen unsere Finger in den Mund stecken und auf den Saug-Reflex warten. Ein gesundes Kalb mit gutem Saugreflex wird dann Hunger bekommen und lässt sich von unserem Finger an den Feeder führen. Ist das Kälbchen allerdings sehr ängstlich, stur, “dämlich” oder krank, funktioniert das nicht. 

Kranke Kälber bekommen eine Spritze mit Medizin und werden mit Wasser + Elektrolyten getubet. Alle anderen werden entweder mit Gewalt zum Feeder gedrückt, bis sie verstehen, woher sie ihre Milch bekommen, oder, wenn sie dann immer noch nicht vernünftig trinken, werden sie mit Milch getubet. 

Jedes Kalb benötigt ca. 4 Liter Milch pro Tag. Während wir uns also darum kümmern, den frischen Bull Calfs das Trinken beizubringen, müssen wir außerdem aufpassen, dass die etwas Älteren bzw. Schlaueren währenddessen nicht zu viel trinken. Denn das würde sie krank machen. (Dafür behalten wir ständig die Bäuche aller Kälber im Auge: Werden sie zu pummelig, halten wir sie vom Trinken ab, indem wir sie in unseren Fingern nuckeln lassen.)

Wenn ein Kälbchen zwischendurch seine Zitze des Feeders “verliert”, sucht es verzweifelt nach Milch und rennt dabei häufig auch mal so ungeschickt um den Feeder herum, dass es alle anderen vier Kälber “umkegelt”. Dann beginnt die ganze Arbeit wieder von vorne, denn die ganz frischen Kälbchen (1-2 Tage alt) finden die Zitzen des Feeders meistens noch nicht ohne Hilfe. 

Außerdem lieben Kälber den “Head-Bump”. In der Natur würden sie mit dem Kopf gegen den Euter ihrer Mutter stoßen, um noch mehr Milch “locker zu machen”. Hier rammen sie meist unsere Hand oder ihren Kopf gegen den Feeder aus hartem Plastik – das ist entweder für uns oder für sie nicht besonders angenehm. 

Vielleicht könnt ihr euch jetzt schon vorstellen, dass all das also sehr wuselig werden kann und eine Menge Geduld erfordert. Je frischer die Kälber und je mehr Kälber in einem Stall, desto wuseliger und nervenaufreibender. 

Nach dem Füttern bekommt jedes Kalb noch eine gelbe Paste gegen Durchfall-Bakterien (“Halocur“) in den Hals gespritzt und einen gelben Punkt auf den Rücken gesprüht. Diese gelben Punkte verraten uns einerseits die Tage an Behandlung mit Halocur und andererseits das grobe Alter des Kälbchens. Denn männliche Kälber bekommen keine Ohrstecker mit Nummern zur Identifikation (von Namen mal ganz zu schweigen). 

Insgesamt kümmern wir uns pro Tag um ca. 10-30 ganz junger Bull Calfs (7 Tage und jünger).

Danach holen wir den großen Feeder mit frischer Milch und fahren auf die 2-3 Felder, auf denen sich jeweils ca. 30 ältere Kälbchen (älter als 7 Tage) befinden. Diese Kälbchen warten schon sehnsüchtig auf uns und wollen so schnell wie möglich eine gute Zitze am großen Feeder ergattern (Kein Wunder, ich hätte auch einen Bärenhunger, wenn ich ein kleiner Junge im Wachstum wäre, der die Winternacht auf einem freien Feld verbracht hat… ) 

Hier gilt das Prinzip “First come, first serve”. Pro Feld lassen wir die Kälbchen ca. 5-10 Minuten trinken. Wer also schneller trinken kann, bekommt mehr Milch, wer langsam trinkt, bekommt weniger. Sehen wir ein krankes Kälbchen, oder ein Kälbchen, das kaum Milch bekommen hat, benutzen wir wieder die Tubas, um es künstlich zu füttern. 

Nach ca. anderthalb bis zwei Stunden sind alle Bull Calfs gefüttert und wir machen uns daran, alle benutzen Gegenstände zu säubern

Nicht selten kommt es nach unseren freien Tagen vor, dass die Calf Rearing Schicht vor uns die Gerätschaften nicht so gründlich geputzt hat. Das ist bei warmer Milch in Gummi-Zitzen natürlich nicht besonders appetitlich und auch aus hygienischer Sicht nicht so toll für die Kälbchen. 

Die Heifers an unserem Haus

Sind alle Bull Calfs versorgt, schnappen wir uns das alte Farm-Auto der Dairy Farm samt eines Containers voller Milch und den Eimern mit Kolostrum-Milch und fahren zurück nach Hause. Aber nicht, weil wir schon Feierabend hätten, sondern weil die weiblichen Kälbchen (“heifers”) ca. 200 Meter von unserem Haus entfernt stationiert sind. 

Hier läuft dann das gleiche Spiel nochmal ab: Wir füttern die ganz jungen Heifers (jünger als 7 Tage) aus den kleinen Feedern (die Jüngsten bekommen hier allerdings warme Kolostrom-Milch) und fahren dann mit dem großen Feeder auf die umliegenden Felder, um die älteren Heifers zu füttern. Zwischendrin dürfen wir noch eine kleine (bezahlte) Pause zum Frühstücken und Kaffee-trinken machen. 🙂

Je jünger die Kälbchen, desto anfälliger sind sie noch für Krankheiten – besonders nach nassen & kalten Nächten, sodass wir eigentlich jeden Tag immer auch ein paar Behandlungen haben und den Kälbchen Spritzen (z.B. gegen Bakterien, Infektionen, …) geben müssen. 

Der große Unterschied zwischen der Arbeit bei den Heifers und bei den Bull Calfs ist, dass wir die Heifers viel sorgfältiger und mit “mehr Aufwand” versorgen. Denn Heifers sind, wie oben bereits angedeutet, viel wertvoller für den Betrieb als die Bull Calfs.

“Die weiblichen Kälbchen von heute sind die Milchkühe von morgen.”

So bekommt auch jedes weibliche Kalb direkt nach der Geburt, wenn es von der Mutter weggenommen wird, ein großes, gelbes Schild ins Ohr. Auf diesem Schild steht der Name des Betriebs, sowie eine individuelle Nummer. Diese Nummer dient der eindeutigen Identifikation und steigt fortlaufend mit jedem geborenen Kälbchen an.

Als wir anfingen, hier zu arbeiten, bekam das frischeste Kälbchen die Nummer 11 318. Mittlerweile haben die frischesten Kälbchen eine Nummer von 11 426 (oder höher). Das sind über 100 weibliche Kälbchen in etwas mehr als einem Monat! 

Sonstige Arbeiten im Calf Rearing (außer Füttern & Medizin geben)

Alle paar Tage bewegen wir ca. 3-8 Kälbchen, die gerade 7 Tage alt geworden sind von den kleinen Ställen auf die größeren Weiden ringsherum. Dann schaben wir die Holz-Briketts in den verlassenen Ställen mit einem Traktor aus, reinigen sie mit sehr viel Wasser und befüllen sie anschließend wieder mit neuen Holz-Briketts. Ready to go für die neuen, ganz frischen Heifers.

Außerdem stehen an manchen Tagen noch einige Besonderheiten auf dem Programm. Das kann z.B. eine Impfung / Wurm-Kur für eine ganze Gruppe (ca. 30-40) älterer Kälber auf den Weiden sein, eine Pink-Eye Behandlung (Pink Eye ist eine von Fliegen übertragene Krankheit, die unbehandelt zum Platzen des betroffenen Auges führt), ein anstehender Verkauf oder aber auch eine Ent-Hornung.

Bei letzterem werden die Horn-Ansätze auf den Köpfen der kleinen Kälber mit einem heißen Bunsenbrenner verstümmelt, sodass sich die Hörner später nicht mehr ausbilden können. Der Prozess ist kurz (ca. 1 Minute pro Kalb), aber sehr schmerzvoll und nicht besonders schön mit anzusehen.

Achja, pro Woche haben wir ca. 2-3 Kälber, die aus verschiedenen Gründen sterben (meistens Krankheiten, manchmal Ersticken durch falsches Tuben). Diese toten Kälber werden dann von uns am Morgen aus den Ställen gezogen und nach den Routine-Arbeiten des Tages mit einem Seil hinten ans Quad-Bike oder Auto gebunden. So schleifen wir den Kadaver dann zur nächsten, farm-internen Müll-Halde und entsorgen ihn dort. Zuerst dachten wir darüber “Wie makaber!”, aber Menschen sind echt erstaunlich… man gewöhnt sich an alles. 

Wir wollen hier auch gar nicht weiter drauf eingehen, denn dass die Nutztier-Haltung leider viel Gewalt und makabre Szenen beinhaltet, ist hoffentlich schon an der ein oder anderen Stelle dieses Beitrages herausgeklungen. 

Ein Arbeitstag im Calf Rearing endet + Fazit

Nach all diesen Arbeiten steht noch die Reinigung aller benutzten Gegenstände an, bevor wir zurück am Hauptgebäude der Dairy-Farm mit unseren Zeitkarte aus checken. 

Unser Feierabend ist, je nach Dingen die tagsüber anstanden, zwischen 12.30 Uhr und 15.30 Uhr (also zwischen 6,5 und 9,5 Stunden). Meistens sind wir allerdings so gegen 14 Uhr fertig (8 Stunden Arbeit). 

Die kleine Frühstückspause, die wir zwischendurch machen dürfen, sowie alle Fahrten zwischen dem Hauptgebäude und dem Standort der Heifers (eine Strecke ca. 10 Minuten Fahrt) werden uns dabei als Arbeitszeit angerechnet und voll bezahlt.

Auf der einen Seite mögen wir den Job, weil jeder Tag sehr abwechslungsreich ist. Wir haben keinen Stress, sondern sollen uns im Gegenteil gut um die Kälbchen kümmern. Außerdem sieht man direkt einen Sinn in der sorgfältigen Ausführung seiner Arbeit, denn die Kälbchen, die vorher sehnsüchtig auf uns warten und muhend durch ihre Ställe laufen, schlafen nach dem Füttern meist ruhig und zufrieden.

Auf der anderen Seite steht der moralische Aspekt der Milch-Industrie. Viele Dinge gehen gar nicht anders als mit Gewalt gegenüber den Tieren (z.B. das Beibringen des Trinkens aus den kleinen Feedern, den Stecker in die Ohren machen, das Tuben, das Transportieren der Kälber, …). Selbst, wenn wir die Kälbchen füttern und wieder gesund machen, wartet ein Leben von fünf Jahren voller Ausbeutung auf sie, bevor sie schließlich verkauft und zu Hundefutter verarbeitet werden. Marcel sagt oft mitleidig zu den Kälbchen: “Es wäre besser, wenn du gar nicht erst geboren worden wärest.” 

Das Schlimmste am Calf Rearing ist natürlich der Fakt, dass viele Dinge einfach total unnatürlich und total unnötig sind, würde man die Kälbchen einfach bei ihren Müttern lassen. Bei einer Internet-Recherche haben wir ein paar Berichte von deutschen Instituten gefunden, die für eine artgerechtere Haltung sind und die Kälber wieder bei ihren Müttern lassen wollen (zum Artikel).

Leider ist das bisher weder in deutschen noch in australischen Milchviehbetrieben die Norm. Aber wir als Verbraucher haben mit dem, was wir kaufen bzw. nicht kaufen eine Stimme (Einkaufszettel = Stimmzettel) und -nach ein paar Wochen in einem großen Milchviehbetrieb- wollen wir nicht mehr unüberlegt für die industrielle Milchviehzucht stimmen (Das ist natürlich nur unsere persönliche Meinung und jedem völlig selbst überlassen).

Damit senden wir euch ein zweites Mal viele liebe Grüße von Irgendwo aus dem Nirgendwo zwischen 1700 Kühen!
🐄🐄🐄🐄🐄🐄🐄 👦🏽👱🏻‍♀️ 🐄🐄🐄🐄🐄🐄🐄

 

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