Nepal

EBC Teil 1 – Trekking zum Everest Base Camp

Aussicht auf die schneebedeckten Berge des Himalaya

Wir sind wieder zurück! Zwölf Tage Trekking zum Base Camp des Mount Everest (EBC) und wieder zurück haben uns sowohl physisch als auch psychisch sehr herausgefordert.

Noch etwas vorab: da der Bericht über die letzten zwei Wochen doch relativ lang zu werden scheint, werden wir ihn in zwei Teile teilen. Der zweite Teil wird noch etwas bearbeitet und folgt in ein paar Tagen.

Für den Einstieg haben wir hier mal ein paar ungefähre Zahlen, die die Atmosphäre während unserer Tour ganz gut beschreiben:

5650   Meter über dem Meeresspiegel maximal erreichte Höhe (Kala Patthar)
      0    Autos oder andere motorisierte Fahrzeuge
  300   Esel ( < 3500 m Höhe)
  200   Yaks ( > 3500 m Höhe)
    50   Hubschrauber
      2   Adler
      4   warme Duschen (Mona) 
      0   warme Duschen (Marcel)
      1   Tag Regenwetter
      6   Stunden Wartezeit für den Flug Kathmandu Lukla
    26   Stunden Wartezeit für den Flug Lukla Kathmandu
 
Fangen wir mit dem vorletztgenannten Punkt an, denn der Flug von Kathmandu nach Lukla ist schon an sich ein kleines Erlebnis und nichts für schwache Nerven. Denn nicht nur eine unvorhersagbar lange Wartezeit auf den Flieger aufgrund von Wetterbedingungen und chaotischer Organisation, sondern auch Start, Landung und ca. 30-minütiger Flug mit nepalesischen STOL-Flugzeugen (Short Take-Off and Landing) sind für uns ganz neue Erfahrungen gewesen. Vermutlich sagen Bilder hier aber mehr als tausend Worte…
 

Am Flughafen angekommen, konnten wir noch schnell unsere Rucksäcke aus einem Rollwagen fischen und wurden direkt von Lhakpa – unserem Guide für die Trekking-Tour – abgeholt. Unsere Route für die nächsten Tage sah dabei wie folgt aus:

Die Route:

Tag 1: Lukla (2860 m) → Phakding (2610 m), 2 Stunden

Tag 2: Phakding (2610 m) → Namche Bazar (3440 m), 6 Stunden

Tag 3: Namche Bazar (3440 m) → Khumjung (3790 m), 2,5 Stunden

Tag 4: Khumjung (3790 m) → Pangboche (3985 m), 6 Stunden

Tag 5: Pangboche (3985 m) → Dingboche (4410 m), 3 Stunden

Tag 6: Akklimatisierungstag in Dingboche, Wanderung auf nahgelegenen Berggipfel (5300 m)

Tag 7: Dingboche (4410 m) → Lobuche (4940 m), 4 Stunden

Tag 8: Lobuche (4940 m) → Gorak Shep (5207 m, 2 Stunden), dann Aufstieg Kala Patthar (5650 m, 3 Stunden) und Tour zum EBC (5380 m, 2,5 Stunden)

Rückweg:

Tag 9: Gorak Shep (5207 m) → Pheriche (4371 m), 4,5 Stunden

Tag 10: Pheriche (4371 m) → Kyangjuma (3620 m), 6 Stunden

Tag 11: Kyangjuma (3620 m) → Monjo (2835 m), 3,5 Stunden

Tag 12: Monjo (2835 m) → Lukla (2860 m), 4 Stunden


Ruhe, Esel und Höhenluft… Auf zum EBC!

Die Umgebung wirkt für uns (direkt aus der Großstadt Kathmandus kommend) zunächst wie eine ganz andere Welt: Es gibt keine Autos, Roller oder LKWs, sondern nur Menschen und Tiere. Man muss mehrere wackelige Hängebrücken passieren, während einem vollbeladene Esel-Kolonnen entgegen kommen.

Genauso vollbeladene Menschen transportieren Waren oder das Gepäck bequemer Touristen von Dorf A nach Dorf B. Es ist wirklich erstaunlich, was für Gewichte diese Menschen über weite und hohe Distanzen tragen! Manche der Häuser und Straßen unterwegs sehen noch so aus, als kämen sie aus längst vergangegenen Zeiten.

Trotz der ländlichen Idylle merkt man den starken Einfluss des zunehmenden Tourismus in der Region natürlich auch. Unterkünfte, Wasser und Trekking-Equipment werden im unteren Teil der Strecke noch überall angeboten.

Die erste Nacht

Nachdem wir nach den vielen Eindrücken des Tages am ersten Abend in unserer Unterkunft in Phakding angekommen sind, fällt uns vor allem eines auf: die plötzliche Stille.

Im krassen Gegensatz zum ständigen Lärm in Kathmandu (und auch in Deutschland hat man ja immer irgendwelche latenten Geräusche von Verkehr o.ä., die man bewusst ausblendet, aber unterbewusst wahrnimmt) wirkt die plötzliche, totale Stille wie Balsam für die Seele.

Nach einem leckeren Abendessen gehen wir in der überraschend guten Unterkunft (mit kalter Dusche, Klopapier und kostenlosem Strom) glücklich schlafen.

Trekkingalltag…

Die anschließenden Wandertage verlaufen alle recht ähnlich: morgens zwischen 7 und 8 Uhr starten wir nach einem Frühstück mit ca. 10 kg Gepäck auf dem Rücken.

Wir legen viele Kilometer und viele Höhenmeter zurück und kommen meistens pünktlich zum Mittagessen in der nächsten Unterkunft an.

Zum Mittagessen essen wir oft ganz nach lokaler Sitte das nepalesische Reis-Gericht Dal Bhat und trinken Milch-Tee.

“Dal Bhat Power 24 hours” 

Nachmittags waschen wir – wenn es die Gegebenheiten denn zulassen – uns und unsere Kleidung und ruhen uns bis zum Abendessen aus. Um Geld für warme Duschen zu sparen, wäscht Marcel sich gelegentlich die Haare in nahegelegenen Flüssen. Mir ist das zu kalt und ich komme nicht drum herum, ab und zu ca. 3-5€ pro warmer Dusche zu bezahlen – dafür genieße ich aber auch jeden warmen Wassertropfen und das Gefühl hinterher, ein bisschen sauberer zu sein.

Während der Abendzeit versammeln sich die Trekker in der “Guten Stube” der Unterkunft. Die Gute Stube wird durch einen kleinen Ofen, in dem hauptsächlich getrockneter Yak-Kot verbrannt wird, gewärmt und stellt damit den einzigen beheizten Raum des Hauses dar.

Man unterhält sich, schreibt, liest oder spielt Karten. Es gibt zwar auch Internetzugang, allerdings nur gegen Bezahlung. Wir verzichten darauf und genießen die plötzliche Zeit ohne Smartphone. Ohne die unendlichen Beschäftigungs-Möglichkeiten des Internets wird es viel ruhiger und weniger hektisch im eigenen Kopf. Es gibt einfach nichts Wichtiges zu tun.

Wir lernen ein nepalesisches Kartenspiel von Lhakpa und Marcel spielt die folgenden Tage immer um geringe Geldsummen mit ihm.

Erkenne deine Grenzen… und wachse über sie hinaus!

An Tag 3 und Tag 4 wurde ich krank. Diese beiden Tage lang konnte ich nichts essen und musste trotzdem – stark geschwächt – steile Strecken wandern. Dabei kam ich an meine körperlichen Grenzen. Ich dachte nicht mehr in Tagesetappen oder Stunden, sondern nur noch in Schritten.

Aufgeben war für mich aber auch keine wirkliche Option, denn ich wollte erstens nicht Schuld daran sein, dass Marcels Traum den Mount Everest zu sehen so kurz vorm Ziel noch nicht wahr werden kann und zweitens hatte ich eine Mission von meinem Papa: Ein kleines Stück aus dem Fundament meines Elternhauses in den Himalaya zu bringen.

So schwierig und anstrengend die Situation in diesen beiden Tagen für mich auch war, sie lehrte mich, welche Kraft im menschlichen Körper steckt und wie dankbar man dafür sein kann, einen funktionierenden Körper zu haben. Wenn es euch gerade also gut geht, dann haltet kurz inne und genießt es! 🙂

Aus meiner Situation rettete mich neben Zeit schließlich auch ein Plakat in einem der Teehäuser. Darauf stand: „How to get to EBC: #1 Garlic soup“. Und tatsächlich peppelte mich sehr leckere Knoblauch-Nudelsuppe wieder auf, sodass wir die restlichen Tage mit neuer Kraft und ohne größere Probleme zurücklegen konnten (DANKE!).

Es geht wieder bergauf!

An Tag 5 & 6 in Dingboche lernten wir Phil, einen in New York lebenden Briten kennen, der ein eigenes Bergsteiger-Unternehmen (www.altitudejunkies.com) besitzt.

Er hat den Gipfel des Mount Everests schon mehrfach bestiegen und kann auch sonst auf mehr als 40 Gipfelerklimmungen von 8000er-Bergen zurückblicken. Zusammen mit Margarete, einer 69 Jahre alten Australieren, ist er unterwegs zum Gipfel des Makalu.

Nach den Anstrengungen der Trekking-Tour können wir uns nicht vorstellen, wie es Menschen überhaupt möglich ist, unter noch härteren und lebensfeindlicheren Bedingungen noch höher zu steigen. Margarete sagt, dass beim Bergsteigen zu 95% die Willenskraft entscheidet, ob man ankommt oder nicht – und das glauben wir ihr nach den letzten Tagen gern.

Dass Bergsteigen außerdem nicht nur extrem anstrengend ist, sondern auch extrem lebensgefährlich ist, wird uns spätestens klar, als Phil uns erzählt, wie viele seiner Freunde schon bei Gipfelexpeditionen ums Leben gekommen sind.

Die beiden Bersteiger-Profis geben uns noch einige gute Tipps (wie z.B. ein Halstuch vor den Atemwegen tragen, um die Lungen vor dem Staub unterwegs zu schützen oder kaltes Wasser morgens erst mit ins Bett nehmen und anwärmen, bevor man es trinkt) und ziehen am nächsten Morgen auf dem Weg nach Lobuche in einem unglaublichen Tempo an uns vorbei.

Hier unterbrechen wir den Bericht, um euch nicht zu viel auf einmal zuzumuten 😀 Im zweiten Teil folgen dann der Aufstieg nach Kala Patthar und zum EBC, Erkenntnisse auf dem Rückweg und unsere Planung für die nächste Zeit. Viele liebe Grüße und bis bald!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.