South Australia

Die Geschichte vom einsamen Lämmchen

Baby-Lämmchen ins Lynns Armen

G’day mates und liebe Grüße aus Australien! Eigentlich sollte dieser Beitrag über unsere Fencing-Arbeit und Drohnen-Videos davon sein, aber es ist etwas dazwischen gekommen. Heute gibt es eine Geschichte mitten aus dem Farmleben: die Geschichte vom einsamen Lämmchen.

 

Die Geschichte vom einsamen Lämmchen

Am Wochenende ist der Nachbarhund über den Zaun gesprungen und hat unsere Schafe gejagt. Eines hat er sehr schlimm erwischt.“, erklärt uns Bob am Montag, während er uns hinter die Scheune führt.

In einem kleinen, eingezäunten Bereich hinter der Scheune liegt ein dickes Schaf mit großen, pink gefärbten Stellen an den Beinen und Ohren.

Er hat sie ins Ohr und in die Vorder- und Hinterbeine gebissen.” Bob zeigt auf die pinken Stellen. “Die Wunden sind ziemlich tief. Sie will nicht mehr aufstehen.

Wenn er über das Schaf spricht, verwendet Bob nicht die englische Vokabel “Sheep”, sondern en Begriff “Ewe” (gesprochen: Juh). Das bedeutet wohl so viel wie “Mutterschaf”. Und tatsächlich ist das Schaf nicht dick, es ist schwanger.

“Vermutlich Zwillinge.“, sagt Bob. “Sie werden bald auf die Welt kommen.

 

Die Geburt

Einen Tag später war es schon so weit! Als wir am Morgen nach Ewes Zustand schauen wollten, sehen wir, dass die Fruchtblase bereits geplatzt ist.

Allerdings lassen die Lämmchen auf sich warten. Nach ca. anderthalb Stunden gibt es immer noch keine Anzeichen von frisch geborenen Lämmchen.

Dann müssen wir sie jetzt holen!“, sagt Lynne. “Sonst haben die Lämmchen keine Überlebenschancen.”

Gesagt, getan. Allerdings scheinen die beiden Lämmchen im Bauch ihrer Mutter verknotet zu sein. Nach einigen Mühen gelingt es Lynne, das erste Lämmchen auf die Welt zu holen… aber es zeigt keinerlei Lebenszeichen.

Wir probieren, das Lämmchen durch Rubbeln und Schütteln wieder zu beleben – aber erfolglos. Es ist tot. Und ich bin super traurig und enttäuscht.

Aber Zeit für Trauer haben wir keine, denn das zweite Lämmchen kommt. Und dieses Lämmchen lebt! Wir legen es der Mutter vor die Schnauze und während sie das Neugeborene ableckt, rubbeln wir es sanft mit alten T-Shirts trocken.

Der Tag ist bewölkt und leicht regnerisch und ich habe Angst, dass das Lämmchen friert (ist natürlich Quatsch, Lämmchen sind ziemlich taff). Nach ca. 5 Minuten macht es außerdem schon seine ersten Gehversuche.

Da das Mutterschaf nicht aufstehen kann, findet das Baby nicht alleine zu seiner Milch. Alle paar Stunden gehen wir also zu den beiden hinter die Scheune, rollen Ewe sanft auf eine Seite und lassen das Baby trinken.

Ich übernehme die Nachtschicht und mache mich um 2 Uhr morgens auf zur Scheune, um dem Baby-Lämmchen beim Trinken zu helfen. Lynne übernimmt die Morgenschicht um 6 Uhr.

Ewes Tod

Ganz egal ob Geburt, auf die Seite Rollen oder während des Trinkens von Baby-Lämmchen – das Mutterschaf wirkt immer ruhig und oft sogar auch abwesend. Vielleicht sogar leicht depressiv.

Das Problem ist vor allem, dass sie -obwohl ihre Wunden gut zu heilen scheinen- partout nicht aufstehen will.

Es kann sein, dass Schafe aufgeben, wenn sie von der Herde abgeschnitten sind.“, sagt Bobs Freund – ein erfahrener Schäfer. “Am besten bringst du sie zurück aufs Feld zu den anderen Schafen.

Und das machen wir. Wir bringen Ewe zurück aufs Feld zu den anderen Schafen.

Da das Feld allerdings sehr groß ist und das Baby nicht alleine trinken kann, muss das kleine Lämmchen nahe des Hauses bei den Ziegen zurück bleiben. Es darf nicht mit der Mutter auf die Weide. Denn hier können wir es mit Ziegenmilch füttern, während wir hoffen, dass seine Mutter wieder auf die Beine kommt.

Aber das tut sie nicht. Ihr Zustand verschlimmert sich und schließlich entscheidet Bob, dass es besser ist, sie von ihren Qualen zu erlösen.

Er erschießt sie aus der Distanz. Schnell und schmerzfrei.

Das einsame Lämmchen

Und das kleine Lämmchen? Das bleibt zurück. Und sein leises “Mähhh”, der Ruf nach seiner Mama, bricht mir das Herz.

Also antworte ich mit “Mähhh” und… das Lämmchen beginnt, mir zu folgen. Es darf mit uns mit kommen, wenn wir arbeiten. Denn das ist sicherlich schöner, als den ganzen Tag alleine im Ziegenstall zu schlafen.

Während wir am Fencing (Zäune machen) arbeiten, schläft Lämmchen daneben oder erkundet die nahe Umgebung. Wenn es nicht direkt vorher gefüttert wurde, sucht es überall nach Milch und nuckelt an allem, was nicht niet- und nagelfest ist. Außerdem passiert es schnell, dass man mal in Lämmchen-Poo fasst… 💩😅

Aber – ist es nicht süß?

Mittlerweile ist das kleine Lämmchen knapp eine Woche alt und bald wird es groß und stark genug sein, um mit den Ziegen laufen zu können.

Wie genau es mit Lämmchen weiter geht und wie unsere Fencing-Arbeit läuft, können wir euch hoffentlich im nächsten Beitrag berichten, denn dieser Beitrag hier ist dem Lämmchen gewidmet.

Also bis dahin – viele liebe Grüße und “Mähh!” ❤️

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