Victoria

Gestüt in Bessiebelle – HelpX Teil 3

Hello, da sind wir wieder mit einem neuen Beitrag über unseren nächsten Aufenthaltsort: Ein Gestüt in Bessiebelle, Victoria.

Ja, richtig. Wir haben uns von Trina verabschiedet, Südaustralien nach über einem Jahr endlich verlassen und befinden uns nun im Nachbar-Staat Victoria.

Der Blue Lake und die Cenote in Mount Gambier

Bevor wir zu unseren Aufgaben hier auf dem Gestüt kommen, wollen wir euch noch von dem Weg hierher erzählen. Denn auf dem Weg von Bordertown nach Bessiebelle haben wir noch einen Stopp in Mount Gambier eingelegt.

Warum Mount Gambier?

Weil es hier ein paar echt coole Sehenswürdigkeiten gibt.

Eine davon ist der Blue Lake (oder auf Deutsch „Blauer See“).

Der Blue Lake ist ein alter Kratersee. Er heißt Blue Lake, weil er in den wärmeren Monaten des Jahres (von Dezember bis März) eine fast schon unnatürliche, blaue Farbe annimmt.

Aber seht selbst (Video folgt bei besserer Internetverbindung später):

In den kälteren Monaten des Jahres nimmt die Wasserfarbe dann wieder ein gewöhnliches Grau an. Wenn ihr euch jetzt fragt, warum das so ist, dann seid ihr in guter Gesellschaft. 😊

Tatsächlich ist dieser Prozess der Farbänderung noch immer Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Die verbreitetste Theorie zu der temporären, blauen Farbe ist, dass sich durch die Erwärmung der Oberflächenschichten des Sees Mikrokristallite aus Kalziumkarbonat bilden können, die dann wiederum zu einer Streuung der blauen Wellenlängen des Sonnenlichts führen. Außerdem wurde wohl auch festgestellt, dass die Sonnenhöhe die wahrgenommene Farbe des Sees beeinflusst.

Wie auch immer, wir waren beim ersten Anblick des Sees begeistert und konnten uns gar nicht an der tiefen, blauen Farbe satt sehen.

Nicht weit vom Blue Lake entfernt befindet sich noch eine coole Sehenswürdigkeit. Genauer: Ein Kalksteinloch, oder auch „Cenote“ genannt.

Die Cenote, die wir in Mount Gambier besuchen, ist also quasi ein tiefes Loch im Boden, das (mit viel Liebe zum Detail) mit Pflanzen gefüllt wurde. Vom Rand des Loches hängen meterlange Ranken-Pflanzen herab und am Grund gibt es auch zahlreiche (Zier-) Pflanzen.

Es sieht ein bisschen unecht aus, aber auch hier – seht lieber wieder selbst:

(Video folgt demnächst, sorry!)

Das Gestüt in Bessiebelle

Nach dem Sightseeing in Mount Gambier machen wir uns ohne weitere Umwege auf den Weg nach Bessiebelle.

Bessiebelle ist eine Bauernschaft mit insgesamt vielleicht 50 Menschen und mindestens 5 Mal so vielen Kühen.

Wir erreichen unsere neue Unterkunft gegen 19 Uhr und werden von Jenny, einer Frau Ende fünfzig, herzlich begrüßt.

Wir haben Jenny auch wieder über die Plattform HelpX gefunden. Im Austausch gegen Unterkunft und Verpflegung sollen wir ihr 15 Stunden pro Woche mit Haus und Hof helfen. 

Da Jenny mit 3 Hunden, 2 Katzen, 15 Hühnern, ca. 40 Kühen und ebenso vielen Pferden ganz alleine ist, arbeiten wir aber natürlich gerne mehr.

Unsere Aufgaben sind dabei vor allem Aufräumarbeiten, die über die letzten Monate ohne freiwillige Helfer liegen geblieben sind:

Wir reinigen die Hauswände, Regenrinnen und Gartenwege, zupfen Unkraut, reparieren Gartenzäune, fahren Heuballen mit dem Traktor in die Scheune, dichten den ungenutzten Kamin (mit einem geklauten Straßenschild) ab und verrichten einige Renovierungsarbeiten im Haus.

Pferdefarm ohne Pferdearbeit?

Zugegeben, am Anfang sind wir etwas enttäuscht, dass wir wirklich (fast) keine Aufgaben mit Pferden haben. Nicht mal Ställe ausmisten oder so. Aber tatsächlich gibt es für uns ohne Pferde-Erfahrung auch nicht allzu viele Pferde-Aufgaben zu tun.

Auch, weil es hier im Moment generell nicht allzu viele Arbeiten mit Pferden gibt.

Die Pferde stehen auf großen Weiden im Freien und bekommen gelegentlich frisches Heu. Sie werden nicht (oder nur selten) geritten, denn die meisten sind Zuchtstuten oder junge Fohlen.

Die Rasse, die Jenny züchtet, heißt übrigens „Paint Horse“.

Die jungen Fohlen müssen zwar etwas trainiert werden, bevor sie verkauft werden, aber das ist kein Job für uns ohne Erfahrung.

Also: Pferdefarm ohne Pferdearbeit. Na gut. Wenigstens können wir sie von ganz nah sehen und mit Heu füttern. 😊

Falls ihr euch gerade fragt, ob Jennys Einkommen aus der Pferdezucht zum Überleben reicht, ist die Antwort „Nein“. Die Pferdezucht ist eher ein Hobby. Nebenbei ist Jenny noch als Schulbus-Fahrerin selbstständig.

Sie hat einen eigenen, kleinen Bus und sammelt damit jeden morgen um 8 Uhr alle Kinder der Umgebung ein und bringt sie zur Schule im nächst größeren Ort. Nachmittags um 15 Uhr holt sie dann alle wieder ab. Dazwischen hat sie Zeit, sich um Haus, Hof und Papierkram zu kümmern.

Und wir helfen ihr als Unterstützung mit.

Auch wenn wir hier leider nicht so viel mit Pferden zu tun haben, lieben wir es, mit dem kleinen Welpen Kaya zu spielen und mit dem Quad über die Felder zu düsen.

Der einzige, große Manko an dem Ort hier ist, dass wir kaum Internetverbindung haben…

Ein freier Tag im Budj Bim Nationalpark, Bridgewater und Portland

An unserem freien Tag beschließen wir deshalb, erst einen Ausflug zum Budj Bim Nationalpark zu machen und anschließend den guten Handyempfang in der Stadt Portland auszunutzen, um uns up to date zu halten und mit unseren Familien zu telefonieren.

Im Budj Bim Nationalparkpark (der Name klingt zwar arabisch, stammt aber von den Aborigines) wandern wir um den Kraterrand eines ehemaligen Vulkanschlots, in dessen Zentrum sich mittlerweile Wasser gesammelt hat und ein See -der „Lake Surprise“- entstanden ist.

An sich wäre das Ganze eher langweilig gewesen, wenn wir hier nicht unsere erste Begegnung mit einer Schlange gemacht hätten!

Da ist eine Schlange auf dem Stein!“, sagt Marcel plötzlich und deutet auf ein paar schwarze Steine, keine vier Meter von uns entfernt.

Ich (Mona) sehe zwar gar nichts, aber gerate durch den Ernst in Marcels Stimme erstmal in Panik und fange an, wegzurennen. Marcel kommt mir nach.

Hast du sie überhaupt gesehen?“, fragt er. „Die liegt da ganz friedlich.“

Hatte ich nicht. Also wir nochmal umgedreht und ganz vorsichtig zurück gegangen.

Schlangen tun nichts, wenn man sie nicht ärgert, hatte Bruce uns immer erzählt. Solange ihr nicht auf sie drauf tretet, ist eigentlich alles ok.

Also sollte vorsichtig zurück gehen und nochmal nachschauen ja kein Problem sein, dachten wir.

Aber, nachdem auch ich einen Teil des Schlangenkörpers entdecken konnte, zuckt sie plötzlich und schießt auf uns zu.

Wir nehmen dieses Mal beide die Beine in die Hand und rennen, was das Zeug hält.

Zum Glück verfolgt sie uns nicht und wir können den Rest des Weges schlangenfrei zurücklegen.

Nach einer kurzen Mittagspause mit Pizza vom Vortag machen wir uns dann auf den Weg Richtung Bridgewater.

Bridgewater & Portland

Bridgewater ist ein Ort am Meer, der mit seinen felsigen Klippen, schönen Stränden und teilweise vulkanartiger Landschaft jedes Jahr viele Touristen anzieht.

Wir gehen ein bisschen spazieren und scheuchen ein paar Vögel am Strand auf.

Danach machen wir uns auch schon auf den Weg zum letzten Stopp unseres Sightseeing-Tages: der Stadt Portland.

Außer einem schönen Café und dem Aldi-Parkplatz besichtigen wir hier aber nicht viel, da wir lieber den Handyempfang nutzen, um mit unseren Familien zu telefonieren.

Bei uns 18 Uhr abends, bei euch 8 Uhr morgens ist Deutschland nämlich (gerade eben so) wach, hat den ersten Kaffee am morgen getrunken und ist bereit, mit uns zu sprechen. 😀

Danach geht es wieder zurück nach Bessiebelle.

Wie es weiter geht

Wir werden noch bis Montag hier bleiben und uns dann wieder auf Weiterreise begeben. Wir wollen nämlich endlich die Great Ocean Road abfahren. Was wir dort sehen und erleben, folgt bestimmt in einem nächsten Beitrag.

Bis dahin viele liebe Grüße!

P.S. Sobald die Internetverbindung besser ist, soll hier noch ein Videobeitrag über die Farm in Bessiebelle erscheinen. 😊

3 Gedanken zu „Gestüt in Bessiebelle – HelpX Teil 3

  1. Ein Hallo aus Grossalmerode
    Sind wieder ganz begeistert von euren sehr ausführlichen Reisebericht.Der blaue See ist echt der Hammer.Wünschen euch weiterhin viele schöne Begegnungen mit Menschen und Tieren.Toll das ihr das alles so erleben könnt.Liebe Grüße Sigridund Paul

    1. Liebe Sigrid, lieber Paul, danke für eure Nachricht!
      Wir freuen uns immer zu hören, dass ihr den Blog gerne lest. Danke auch für die guten Wünsche. ♥
      Wir senden euch viele liebe Grüße nach Großalmerode!

  2. Menno, wieder ganz toll geschrieben und fotografiert!
    Nachbarin Sigrid hat mich heute drauf aufmerksam gemacht – sie war schneller 🙂

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