Victoria

HelpX auf einer Baustelle – Freiwilligenarbeit Teil 5

Heute melden wir uns mit einem kurzen Update der letzten anderthalb Wochen, die wir auf einer Baustelle verbracht haben.

Denn nach unserem Roadtrip auf der Great Ocean Road haben wir einen kurzen Stopp in der N├Ąhe von Philip Island eingelegt, wo wir wieder als Freiwillige ├╝ber die Plattform HelpX arbeiten. Und dieses Mal eben auf einer Baustelle.

Der Mann, der auf der Baustelle lebt

Wir arbeiten f├╝r Nijol, einen Mann Ende f├╝nfzig, dessen Vision ein Haus f├╝r “Dunkelheits-Therapie” ist.

Als vor zwei Jahren sein altes Haus abgebrannt ist, hat er sich ein heruntergekommenes und deshalb sehr g├╝nstiges, neues Haus ganz in der N├Ąhe von Philip Island gekauft. Seitdem arbeitet er daran, dieses Haus zu renovieren.

Nijol ist ein spezieller Charaktertyp Mensch und am Anfang tun wir uns etwas schwer mit seinen Weltanschauungen (in Deutschland w├╝rde man ihn wohl einen extremen Querdenker nennen), aber im Grunde scheint er ein sehr netter Typ mit viel Lebenserfahrung zu sein, der in den letzten Jahren einige Schicksalsschl├Ąge hinnehmen musste.

Er ist gelernter Koch und Handwerker und hat gleichzeitig als Surflehrer und Chiropraktiker an den verschiedensten Orten der Welt gearbeitet.

Anders, als auf HelpX ausgeschrieben, wohnen wir hier auf einer chaotischen Baustelle, haben eine Toilette mit d├╝nnen W├Ąnden direkt in der Wohnk├╝che und es gibt auf dem ganzen Grundst├╝ck keine M├Âglichkeit zum Duschen. Trotzdem beschlie├čen wir, zu bleiben. Denn Nijol braucht dringend Hilfe.

Er selber wohnt in unserer Woche vor Ort auch nicht direkt mit uns im Haus. Er hat sich vor zwei Jahren im Garten eine provisorische H├╝tte aus alten Bienenk├Ąsten (Bee Boxes) gebaut. 

Diese H├╝tte ist quasi ein einziger dunkler und muffiger Raum, der mit allem m├Âglichen Krimskrams vollgestellt ist. 

Wir haben das Gef├╝hl, dass die chaotische, stagnierenden Baustelle und das heruntergekommene Bee-Box Haus, in dem er lebt, ein bisschen wie der Spiegel in Nijols Innenwelt sind. 

Das soll nicht so bleiben!

Unsere Aufgaben und der Arbeitsalltag

Innerhalb der ersten Woche ver├Ąndern wir seinen ganzen Garten.

Eine kleine Schlucht, die durch seinen Garten verl├Ąuft und an deren Boden ein kleiner Bach entlang flie├čt, wird durch eine Art “Erdwall” aus Holzpfosten und Wellblech halbiert. Dadurch wird ein neuer Hohlraum erzeugt, den wir mit altem Bauschutt f├╝llen k├Ânnen. Das erzeugt mehr freien Platz und zus├Ątzliche Gartenfl├Ąche. 

Au├čerdem gibt Nijol uns dann den Job, seine Bee-Box H├╝tte abzubauen und dadurch noch mehr neuen Platz zu schaffen. Das war lange ├╝berf├Ąllig, denn das Bee-Box Haus war nicht nur f├╝r die weiteren Bauma├čnahmen im Garten im Weg, sondern mittlerweile auch von diversen Nagetieren und Insekten besiedelt. 

So sieht der Garten dann nach einer Woche aus: 

Nachdem der Platz jetzt frei ist, kann Nijol in den n├Ąchsten Wochen seinen Freund damit beauftragen, den Garten mit schweren Maschinen zu ebnen.

Und dann ist dieser Meilenstein geschafft und das Bauen kann weitergehen.

(Au├čerdem kommt in dieser Woche nach monatelanger Wartezeit auch endlich der Klempner und installiert eine (wenn auch provisorische und ausschlie├člich kalte) Dusche im Haus!)

Nijol ist ├╝beraus dankbar. Er sagt, dass er jetzt wieder das Gef├╝hl hat, die Oberhand ├╝ber sein Bauvorhaben gewonnen zu haben. Dass jetzt eine gro├če mentale H├╝rde ├╝berwunden sei. Und dass es ab jetzt wieder bergauf gehe.

Als Dank f├╝r unsere Arbeit leiht er uns mehrmals in diesen anderthalb Wochen seine Surfboards und Neopren-Anz├╝ge aus und gibt uns Surfstunden auf Philip Island

Ein Tag auf Philip Island

Da wir viel mehr arbeiten, als die 15 Stunden pro Woche, die wir eigentlich f├╝r Unterkunft und Verpflegung arbeiten m├╝ssten, g├Ânnen wir uns zwischendurch auch mal einen freien Tag. Schlie├člich wollen wir ja auch was von der Umgebung hier sehen.

Daf├╝r fahren wir wieder nach Philip Island. Dieses Mal allerdings auf eigene Faust und nicht zum Surfen, sondern um uns die anderen sch├Ânen Ecken der Insel anzuschauen.┬á

Wir schauen uns die “Nobbies” ganz im Westen der Insel an. Das ist eine Gegend mit einer fantastischen Aussicht ├╝ber das Meer, die auch daf├╝r bekannt ist, dass hier etliche kleine Pinguine zu sehen sind. Bei Sonnenaufgang verlassen sie ihre kleinen H├Ąuschen am Hang (im Video zu sehen) und jagen im Meer nach Futter. Kurz vor Sonnenuntergang kommen sie zur├╝ck in ihre H├Ąuschen.┬á

Obwohl wir tags├╝ber da sind, haben wir Gl├╝ck und sehen ein paar “daheim gebliebene” Pinguine von Nahem.

Hier ein paar Eindr├╝cke von unserem Tag auf Philip Island:

Und jetzt?

Jetzt ist unsere Zeit bei Nijol schon wieder vorbei und wir reisen weiter. Ganze 40 Minuten Autofahrt in den Osten. ­čśÇ

Die n├Ąchste Zeit werden wir wieder als Freiwillige arbeiten, denn wir finden dieses Konzept mittlerweile richtig gut.

Durch ein paar Wochen Freiwilligenarbeit k├Ânnen wir super g├╝nstig reisen, treffen interessante Menschen, h├Âren ihre Geschichten und lernen unglaublich viele, neue Dinge.

Unser Lohn sind zwar keine Zahlen auf dem Konto, aber trotzdem schenken uns unsere Gastgeber ganz oft genau das, was wir gerade brauchen. Bei Trina im Wildlife Sanctuary hat Mona z.B. t├╝tenweise neue Kleidung, einen Haarschnitt und eine Haarschneidemaschine f├╝r Marcels Haare bekommen. Jenny auf der Pferdefarm hat uns etwas Taschengeld, einen richtig guten Schlafsack, warme Decken f├╝r die Nacht im Auto und Proviant zugesteckt und Nijol schenkt Marcel ein paar richtig guter Arbeitsschuhe, die ihm selber eine Nummer zu klein sind, aber Marcel richtig gut passen.

Au├čerdem ist es toll zu wissen, dass all diese Menschen bereit sind, uns jederzeit wieder aufzunehmen und uns bei Schwierigkeiten helfen w├╝rden. Das macht ein Land so fernab der Heimat viel sch├Âner!┬á

Also… wir sind gespannt, was am n├Ąchsten Ort auf uns wartet.

Viele liebe Gr├╝├če und bis zum n├Ąchsten Mal!

 

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