South Australia

Ein Kurzurlaub auf Kangaroo Island – Teil 1

Meer, Klippen und Strand im Westen von Kangaroo-Island

G’day! Wir melden uns endlich wieder mit einem Bericht von unserem Kurzurlaub auf Kangaroo Island. Zwischen Ehe-Trennungen und Transgender-Beziehungen sind wir mal wieder in eine -sagen wir mal… unübliche- Situation geraten. Aber von vorne!

Während unserer Zeit auf der Farm in den Adelaide Hills halfen wir als Freiwillige auch einer Antiquitätenhändlerin mit Namen Elsa im Nachbarort Woodside. Elsa hat bereits einen gut laufenden Antiquitätenhandel in Hahndorf und möchte nun nach Woodside expandieren.

Dafür renoviert sie unter Leitung von Farmer und Baumeister Jack ein altes Haus… und dabei haben wir geholfen.

Als Dankeschön für die Hilfe hat Elsa dann Amy (eine andere freiwillige Helferin aus England) und uns in das Ferienhaus ihrer Schwester nach Kangaroo Island eingeladen (siehe Bilder unten) .

Okay, so weit, so gut. Eine Woche bevor es losgeht erfahren wir, dass auch Baumeister Jack und Amys Freundin Debby mit nach KI (Kangaroo Island) kommen.

Auch gut. Je mehr, desto lustiger, richtig? 🙂

Am Morgen, als es losgeht, fahren Marcel und ich mit Jack zu Elsas Shop, um sie dort abzuholen. Und, nachdem wir Elsas Sachen in Jacks Auto gepackt hatten, gestehen die beiden uns dann etwas…

Frischverliebt und mitten in einer Ehe-Trennung

Jack und Elsa -beide über fünfzig und bereits verheiratet- haben sich während den Renovierungsarbeiten an Elsas Shop ineinander verliebt.

“Ich trenne mich gerade von meiner Frau.”, sagt Jack. “Und auch Elsa trennt sich gerade von ihrem Partner.” 

“Oh, okay…”, sagen wir. “Wie lange ist das denn jetzt zwischen euch schon offiziell?”, fragen wir etwas verdattert, denn damit hätten wir nun nicht gerechnet und denken an Jacks bisherige Frau, die wir auch kennen.

“Seit ein paar Tagen erst.”, antworten die beiden. “Wir wollten keine Affäre beginnen, sondern von Anfang an mit offenen Karten spielen. Sorry, dass wir euch da jetzt mit in das Trennungs-Chaos reinziehen.”

“Okay, kein Problem.”, sagen wir.

Und dann ging unsere Reise los.

Känzelung der Fähre nach Kangaroo Island

Kangaroo Island ist Australiens drittgrößte Insel und liegt ca. 2,5 Stunden Autofahrt südlich von Adelaide.

Elsa, Jack, Marcel und ich wollten mit Jacks Auto fahren, während Amy und Debby mit Debbys Auto anreisen wollten. Treffpunkt war Cape Jervis, der Abfahrtort der Fähre nach KI.

Die Fähre sollte eigentlich am Montag um 13.00 Uhr ablegen… sollte.

Denn Montagmorgen wurde die Überfahrt kurzerhand gekänzelt. Wegen starken Windes.

Prima… und was nun?

“No Problem.”, sagt Jack mit seiner coolen, lässigen, typisch australischen Art. “Wir schlafen einfach eine Nacht in einem Caravan-Park und fahren morgen.”

Sightseeing auf der Fleurieu Halbinsel

Gesagt, getan. Wir vier im Auto “Jack” fahren zu einem kleinen, netten Campingplatz nahe dem Ablegesteg der Fähre und erkunden das umliegende Gebiet. Debby und Amy wollten später zu uns stoßen.

Zuerst machen wir an verschiedenen Stränden und Aussichtspunkten halt, an denen wir uns von der Windstärke überzeugen können (siehe Fotos oben).

Elsa und Jack -beides erfahrene Unternehmer und sehr entspannte Personen- verhalten sich ein bisschen wie frischverliebte Teenager. Händchenhalten, Kuscheln und ein bisschen unsichereres / vorsichtiges Annäherungsverhalten…

Frische Liebe mit Ü50 scheint frischer Liebe mit 15 gar nicht mal so unähnlich zu sein – wer hätte das gedacht? 🙂

Ein Stopp bei den Ingalalla Falls

Dann geht es zu den Ingalalla-Wasserfällen. Während die beiden kuschelnd am Ufer des Wasserfall-Sees sitzen, klettert Marcel überall hoch. Ich mit der Kamera hinterher.

Nach den Ingalalla-Fällen fahren wir wieder zurück zum Caravan-Park und lassen Drachen am Strand steigen.

Der Wind ist so stark, dass wir Jacks großen Drachen nicht festhalten können und der Drache UNS hinterherzieht. Ein riesengroßer Spaß! 😀

Während wir Drachensteigen lassen, kommen auch Amy und Debby im Caravan-Park an. Und damit folgt gleich die nächste Überraschung.

Mann? Frau? Transgender!

Wir kennen Debby bisher nur aus Amys Erzählungen und Amy hat Debby immer als ihre Freundin beschrieben. Und da wir wissen, dass Amy einen Freund in England hat, mit dem sie in einer offenen Beziehung lebt, haben wir gedacht, Debby sei einfach eine Freundin von ihr.

“Freundin” bedeutete in diesem Fall aber, dass die beiden tatsächlich in einer Beziehung sind. Debby ist also Amys Partnerin, obwohl Amy einen Freund in England hat.

Soweit, so gut. Nun ist Debby aber eine spezielle Freundin.

Denn Debby wurde nicht als Frau geboren, sondern als Mann. Und das sieht man auch, denn Debby ist groß, muskulös, hat eine tiefe Stimme und einen leichten Bart. Gleichzeitig hat sie aber auch rosane, lange Haare, Brüste und trägt Frauenkleider.

“Ich stehe erst seit ein paar Jahren zu dem, was ich wirklich bin.”, erklärt sie uns. “Ich wurde als Mann geboren, aber ich bin eine Frau.”

Und Debby ist wirlich eine coole Person. Sie ist super lustig, sehr einsichtig, sehr clever und leidet unter der gesellschaftlichen Nicht-Akzeptanz von Transgender-Menschen. Voruteile und musternde Blicke.

“Transgender-Leute gab es und gibt es eigentlich in jeder Kultur”, sagt sie. “Wir sind gute Vermittler zwischen Männern und Frauen, weil wir beide Seiten verstehen.”

Und das stimmt! Es ist super spannend  zu hören, wie sie sich durch die Einnahme weiblicher Hormone verändert hat: “Ich bin sooooo viel geduldiger geworden, viel weniger aufbrausend. Aber meine Arme… ich merke auch, wie schwach ich werde!”

Wir verstehen sie gut und schämen uns dafür, Vorurteile gehabt zu haben, ohne vorher auch nur mit einem einzige Transgender-Menschen gesprochen zu haben. Gerade weil Film und Fernsehen so viele Witze über Transgender machen und alles, was nicht dem klassischen Bild von Mann-Frau-Ehe entspricht, verpönt wird, hat sie es echt nicht einfach.

“Ich wäre niemals alleine hier aufs Land gekommen. Im besten Fall mustern mich die Menschen nur extrem… von oben nach unten und von unten nach oben.”, erzählt uns Debby eines Abends.

Später sagt sie außerdem noch “Das ist euch wahrscheinlich nicht aufgefallen, aber ich gehe hier nicht auf öffentliche Toiletten.”

Allein durch diese paar Tage Urlaub haben wir also wieder Einblicke in eine, für uns komplett neue Lebensweise kennen lernen können. Aber eine Frage bleibt uns bisher noch offen: Wie ist das mit der Liebe?

Hetero, Homo? Eine unübliche Beziehung

“Sag mal, Debby.”, fragt Marcel. “Wie ist das denn jetzt eigentlich? Du bist eine Frau, aber du stehst auch auf Frauen? Bist du dann lesbisch?”

“Weder noch.”, erklärt uns Debby. “Das Geschlecht ist mir eigentlich egal, ich mag Menschen mit cooler Energie.”

Okay, dann wäre das also auch geklärt. Jetzt kann es ja losgehen. 🙂

Kurzurlaub auf Kangaroo Island – wir kommen!

Als am nächsten Tag um 13.00 Uhr unsere Fähre nach Kangaroo Island endlich ablegt, fahren wir also mit zwei frischverliebten Ü50ern und einem interessanten Transgender-Frauen-Paar in den Urlaub.

Wir sind jetzt also die einzigen, langweiligen Normalos… auch mal nett. 😀

Was alles auf KI passiert, welche schönen Dinge wir sehen (viele Fotos!) und wie das so mit unserer bunten Reisegruppe klappt, folgt im nächsten Beitrag. Bis dahin!

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