South Australia

Landratten auf hoher See – 3 Tage auf einem Segelboot

Steuerbord-Seite des Segelbootes Enya

Ahoi! Wir melden uns endlich mit einem Beitrag vom Segeln. Genauer gesagt: Einem Beitrag über 3 Tage auf einem Segelboot. Und vermutlich wird das auch erstmal unser letzter Beitrag vom Segeln sein, denn in den letzten drei Tagen haben wir uns nicht für die Überfahrt nach Tasmanien qualifizieren können (dazu gleich mehr).

Bei mehr als 30 Knoten Wind leidet Marcel an akuter Seekrankheit. Mal ganz abgesehen davon, dass ich (Mona), das ewige Geschaukele auf dem Boot auch nicht besonders angenehm finde. Wir sind eben echte Landratten – oder “Landlubber“, wie es auf Englisch heißt und Bruce uns seitdem nennt. 😀 

Trotz allem hatten wir 3 (meistens) tolle Tage auf See. Und da wir sogar eine Action-Kamera an Bord hatten, gibt es in diesem Beitrag ein paar coole Videos von unterwegs + eine “Roomtour” von Marcel durch den Innenraum des Bootes. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Die Route

Zusammen mit Segler Murray starteten wir unsere Segeltour am Dienstagmorgen um 9 Uhr im Hafen von Glenelg. Mit guten Windverhältnissen und bewölktem Himmel legten wir die Leinen und verließen den Hafen.

Die bevorstehende 3-Tages-Tour sollte die ultimative Probe für Marcel und mich sein: Sind wir seefest genug für eine 6-Wochen Tour von Adelaide nach Tasmanien und wieder zurück?

Wie ihr schon wisst, ist die Antwort darauf “Nein”, aber das merkten wir erst am letzten Tag der Tour.

Unser Ziel am Dienstag war erstmal Stansbury, ein kleiner Ort auf der Yorke-Halbinsel ca. 60 Kilometer westlich von Adelaide (siehe Karte).

Von dort aus sollte es einen Tag später nach Port Vincent gehen und anschließend wieder zurück nach Adelaide. So war der Plan.

Und am Dienstag hatten wir sehr angenehmen Wind aus dem Süden, sodass wir mit einer Geschwindigkeit von guten 7 Knoten (ca. 13 km/h) in den Westen segelten.

7 Knoten bzw. 13 km/h klingt erstmal super langsam, aber glaubt uns… wenn man auf offener See ist und das Boot mit diesem Tempo durch die Wellen prescht, fühlt es sich gar nicht mehr so langsam an!

Murray zeigte uns, wie wir die Segel setzen und -sobald die Segel einmal gesetzt sind- mit welchen Tipps und Tricks man noch einen halben Knoten mehr Tempo aus dem Boot herauskitzeln kann.

Von Seekrankheit und Delfinen

Wenn die Segel allerdings erstmal optimal gesetzt sind und der Wind für einige Zeit konstant aus einer Richtung kommt, wird es schnell langweilig. Denn das Boot hat ein automatisches GPS-System und allerlei andere, moderne Hilfsmittelchen, sodass wir die meiste Zeit einfach nichts zu tun hatten.

Während Marcel vor unserer Abfahrt aus Glenelg intelligenterweise noch eine Tablette gegen Seekrankheit genommen hatte und sich prima fühlte, begann ich (Mona), mich nach einer guten Stunde auf See ziemlich unwohl zu fühlen. 

Das ist relativ normal.”, erklärte uns Murray. “Die meisten Menschen brauchen 1-2 Tage um sich an die Bewegung des Bootes zu gewöhnen. Kein Grund zur Sorge.” 

Und er hatte Recht. Nach ein paar Stunden wurde es besser und spätestens, als Marcel Delfine am Bug des Segelbootes sichtete, war meine Seekrankheit vergessen. Ich lief zum Bug und beobachtete die Tiere aus nächster Nähe. 

3 Delfine schwammen mit unserem Boot und spielten mit den Wellen, die das Boot erzeugte. Manchmal kam es mir so vor, als ob sie sich extra ein wenig seitlich neigten, um zu schauen, ob wir sie auch sehen. Und natürlich taten wir das! 😀 

Nach einer Weile verschwanden die Delfine wieder im Meer und ließen uns mit diesem tollen Erlebnis zurück. 

Ankunft in Stansbury

Wir erreichten Stansbury nach insgesamt gut 7 Stunden Fahrt und machten das Boot an einer “mooring” fest (Leider haben wir keine Ahnung von den deutschen Segelbegriffen und kennen jetzt nur die englischen Vokabeln… Aber eine “mooring” ist wie eine Schlaufe aus dickem Seil an einer Boje im Wasser, an der man das Boot vertäuen kann).

Diese erste Strecke hatte eigentlich recht gut geklappt und wir verbrachten den restlichen Abend auf dem Boot. Mit dem sanften Platschen der kleinen Wellen am Boot und einem wunderschönen Sternenhimmel über dem Meer konnten wir in unserer kleinen Kajüte im Bug des Bootes wunderbar schlafen.

Hier mal ein paar Eindrücke:

Landgang in Stansbury – Mit dem Dingi ans Ufer

Am nächsten Morgen wollten wir an Land gehen und Stansbury erkunden (auch wenn es in dem kleinen Örtchen nicht allzu viel zu erkunden gibt). Allerdings war das gar nicht so einfach, denn das Ufer um Stansbury herum ist sehr seicht. Zu seicht für unser Segelboot.

Von unserem Anlegeplatz an der mooring ca. 200 Meter vom Ufer entfernt brauchen wir noch ein kleineres Bötchen (“Dingi” genannt), um den Weg zum Ufer trockenen Fußes zurücklegen zu können. Das Dingi hängt am Heck unseres Bootes.

Wir lassen das Dingi also ins Wasser und gehen an Land. Da Stansbury an sich eher ein verschlafenes Nest ist, gibt es hiervon nicht allzu viel zu berichten. Wir gingen ein bisschen spazieren, kauften ein paar Lebensmittel und machten uns wieder auf den Weg zurück zum Boot.

Segeln nach Port Vincent

Etwa zur Mittagszeit legten wir dann erneut ab und machten uns auf den Weg nach Port Vincent. Da der Wind zu schwach war und obendrein noch aus der falschen Richtung kam, benutzen wir für diese Strecke den Motor des Segelbootes.

Nach ca. 2,5 Stunden mit dem Motor erreichten wir Port Vincent, einen weiteren kleinen Ort auf der Yorke Halbinsel (siehe Karte oben).

Marcel nutzte die Gelegenheit und sprang, kurz nachdem wir das Boot sicher an der mooring vertäut hatten, ins Wasser und schnorchelte ein bisschen um das Boot herum.

Und wisst ihr was? Das Segelboot ist so clever durchdacht und so cool ausgestattet, dass es am Heck sogar eine Süßwasser-Dusche hat, sodass sich Marcel nach dem Schwimmen im kalten Meerwasser mit warmen Süßwasser abbrausen konnte!

Wir verbrachten den restlichen Nachmittag auf dem Boot (Ja, wir hatten sogar Internet) und machten uns gegen Abend auf nach Port Vincent, um dort in einem Hafenrestaurant Abendzuessen. Das Essen war prima, nur die Weihnachtsdekoration kam uns so mitten im Sommer total seltsam vor… Naja, das ist wohl ein anderes Thema. Also schnell wieder zurück zum Segeln. 😀

Rückfahrt nach Glenelg

Am dritten Tag (Donnerstag) entschieden wir nach einem Blick auf die Wettervorhersage, dass wir die Überfahrt nach Glenelg wagen wollten – auch wenn die Windbedingungen nicht optimal sein würden. Es sollte relativ starken Wind aus dem Südosten geben.

“Naja, ein guter, letzter Test für unsere Seefestigkeit.”, dachten wir. Denn bis dahin war bis auf meine anfängliche, leichte Seekrankheit alles gut gewesen.

Aber nix da. Nach einer guten Stunde auf See mit ca. 3 Meter hohen Wellten fühlten wir uns wie in einer Nussschale beim Wildwasser-Rafting. Einige Wellen fegten sogar über das ganze Boot bis hin zur Kabine.

Marcel wurde schlimm seekrank. Er stellte sich in den Wind, schaute an den Horizont, nahm noch eine Tablette, aber nichts half. Er wurde höchstens klitschnass, fror und fühlte sich trotzdem noch miserabel.

Erst 5 Stunden später, als die Wellen in Küstennähe wieder sanfter wurden, wurde auch seine Seekrankheit besser.

Und als wir dann endlich im Hafen anlegten, wunderten wir uns über die plötzliche Ruhe und Friedlichkeit an Land. Hatte man gerade noch Wind, Wetter und den Launen des Ozeans getrotzt, war an Land alles wieder ganz normal. Einfach. Windstill. Friedlich.

Sehr seltsam… Wir erinnerten uns an die Aussagen bekannter Seefahrer in Geschichten und plötzlich machten sie viel mehr Sinn für uns. 

Bruce, der uns am Hafen abholte, schüttelte nur den Kopf und lachte. “Das war noch kein schlechter Tag zum Segeln. Das Meer kann viel rauer sein!

Naja, Landlubber eben. Tasmanien per Segelboot ist wohl nichts für uns, aber immerhin haben wir eine sehr interessante Erfahrung gehabt.

3 Tage auf einem Segelboot – Unser Fazit

Macht Segeln Spaß? Naja…

Das Problem beim Segeln ist, dass man nicht einfach aussteigen kann. Mitgefangen, mitgehangen. Wenn man einmal an Bord ist, ist man dem Meer und seinen Launen bis zum nächsten Hafen ausgeliefert. 

Ich litt die Rückfahrt über seltsamerweise gar nicht mehr an Seekrankheit, allerdings bin ich auch keine super begeisterte Seglerin geworden.

Wenn die Segel erst einmal gesetzt sind, bzw. man mit dem Motor arbeitet, gibt es in diesem Segelboot mit all seinem Luxus nicht mehr allzu viel zu tun. Es ist relativ langweilig. Man wird nass, alles schaukelt und gleichzeitig wird man von der Sonne verbrannt…

Wir verstehen (noch) nicht so ganz, wie Bruce und Murray so extrem begeistert vom Segeln sein können.

Naja, wie auch immer. Wir bleiben erstmal an Land und überlegen uns, wie wir jetzt weiterreisen wollen. Vielleicht suchen wir Opale in Andamooka, vielleicht besuchen wir ein Animal Sanctuary in Bordertown. Wir werden euch auf jeden Fall berichten!

Bis dahin, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! ❤

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