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Mit dem Schiff von Singapur nach Jakarta

Schiff von Batam nach Jakarta

Ahoi! Seit dem letzten Beitrag über Singapur sind wir ganze 1000 Kilometer weiter gereist – und zwar übers Meer. Mit dem Schiff von Singapur nach Jakarta zu reisen ist wohl eher unüblich und deswegen war es vermutlich auch schwierig, überhaupt Informationen darüber zu bekommen. “To Jakarta? By boat?!”, haben uns alle Leute immer ganz überrascht gefragt, wenn wir ihnen von unsere Reiseplänen erzählt haben… “Why don´t you use the airplane?”

Während der letzten zehn Tage haben wir uns das tatsächlich selber manchmal gefragt. 🙈 Aber beginnen wir besser vorne.

Marcel mit Rucksack im Fähren-Terminal von Singapur.
Fähren-Terminal in Singapur
Google Maps - Karte mit eingezeichneter Reise-Route.
Von Singapur nach Batam/Bintan nach Jakarta
Schritt 1: Von Singapur nach Batam

Von Singapur aus mussten wir zuerst auf die ca. 50 km südlich  liegende Insel Batam reisen (mittleres rotes Sternchen auf der Karte rechts). Wir hatten auf einem Reiseblog gelesen, dass es von dieser Insel aus Schiffe nach Jakarta geben soll und uns am Vortag also voller Hoffnung eine Fähre dorthin gebucht.

Überfahrt und Einreisen liefen glücklicherweise auch schnell und problemlos ab. Auf der Fahrt hatten wir noch einen fantastischen, letzten Blick auf die Singapurer Skyline und die unzähligen Schiffe im Meer.

Suche: Überfahrt nach Jakarta, Datum egal…

Frisch in Indonesien eingereist, machen wir uns sofort auf die Suche des Pelni-Büros. Pelni ist die indonesische Schifffahrtsgesellschaft, die laut Internet-Recherche die Überfahrten nach Jakarta betreibt. Da das Pelni-Büro nicht weit von unserem Ankunftsort entfernt ist, laufen wir dorthin. Kaum angekommen, erleben wir unseren ersten kleinen Schock. Ein netter Angestellter erzählt uns in gebrochenem Englisch, dass es zwar normalerweise Schiffe nach Jakarta gibt, diese aber gerade alle gewartet werden und deswegen nicht fahren. 😧 Was nun? Sind wir jetzt auf Batam gestrandet?

Als wir daraufhin wohl relativ schockierte Gesichter gemacht haben, fügt der nette Pelni-Angestellte dann hinzu, dass von Batams Nachbarinsel Bintan wohl noch ein Schiff nach Jakarta fahren würde. Allerdings erst am 1. November, also in 7 Tagen. Okay, kein Problem, denken wir uns. Gott sei Dank haben wir Zeit. Dann bleiben wir eben sieben Tagen hier.

Für etwa 20€ pro Person sichern wir uns schnell die Tickets für das Schiff am 1. November und buchen das Hotel für die nächste Zeit.

Zeit auf Batam & Bintan

Die nächsten sechs Tage auf Batam nutzen wir relativ sinnvoll mit einem Besuch beim Friseur, laufen durch die Nachbarschaft des Hotels, arbeiten an dieser Website (vielleicht sind euch ja ein paar kleine Änderungen aufgefallen? 😉 ) und der Erstellung unseres Instagram-Profils.

Foto von Marcel nachdem er seinen neuen Haarschnitt bekommen hat.
Marcel nach seinem Friseur-Besuch in Indonesien.

Generell war es wirklich seltsam für uns zu sehen, wie sich Landschaft und Kultur in nur 60 Minuten Fahrt mit der Fähre verändern können. Aus dem sauberen, modernen und reichen Singapur sind wir auf einer mit Plastik vermüllten, technisch eher rückständigen und deutlich ärmeren Insel gelandet. Dafür sind die Menschen hier auch wieder deutlich offener und interessierter.

Egal, wo wir hingehen, wir fallen auf. Wir werden so angestarrt, wie in Deutschland vielleicht ein Mensch mit lila Hautfarbe angeschaut werden würde. Sowohl auf Batam, als auch später auf der Nachbarinsel Bintan sind “Hey Sir! How are you?” und “Hello Mister! Where are you going?” wohl die Sätze, die wir am häufigsten hören. Menschen auf vorbeifahrenden Rollern drehen sich nach uns um, Autofahrer hupen uns an und brüllen uns “Good morning!” hinterher. Auch wenn uns etwas unwohl dabei ist, fühlen wir uns gleichzeitig ein bisschen wie Prominente… Vom Penner in Singapur zum Promi in Indonesien – was eine verdrehte Welt!

Außerdem entdecken wir ein Trio kleiner Jungs auf einem Roller. In Singapur hätte es das wohl auch sicher nicht gegeben… 😀

Schritt 2: Von Bintan nach Jakarta

Am Tag vor der Überfahrt nach Jakarta fahren wir mit einer kleinen Fähre von Batam auf die Nachbarinsel Bintan. Von hier aus legen wir dann am 1. November um 17 Uhr mit dem großen Schiff auf dem Bild ganz oben ab. Endlich geht es weiter! ⛴

Die Freude über die Weiterreise währt allerdings nur kurz, denn als wir unseren Schlafplatz für die nächsten zwei Nächte sehen, sind wir noch einmal geschockt. Jeder von uns bekommt eine zerrissene Matratze in einem Schlafraum für etwa 100 Personen zugeteilt. Ohne Trennwände, Decken oder Ventilatoren.

Und als ob das für uns verwöhnte Europäer nicht schon gewöhnungsbedürftig genug ist, lebt an Bord auch noch eine ganze Kakerlaken-Kolonie. Direkt über meinem Schlafplatz ist ein Holzkasten für Rettungswesten montiert, aus dessen Löchern ständig Kakerlaken rein- und rauslaufen. Natürlich machen die Insekten auch vor meiner Matratze nicht halt und laufen mir beim Schlafen über die Beine (und laut Marcels Aussagen auch durch die Haare). 😨

Um der Beschreibung der Situation noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, möchten wir den Toiletten noch einen kurzen Satz widmen. In unserem Bereich auf Deck 6 gibt drei asiatische Damen-Toiletten (zum Hocken) für etwa 50 Frauen. Ohne Spülung. Stattdessen werden Wassereimer und Plastik-Töpfchen benutzt. Klopapier? Fehlanzeige. Seife? Gibt es nicht. Mehr brauchen wir dazu wohl nicht zu sagen.

So bekamen wir mitten auf der Reise doch nochmal einen Kulturschock. ABER: Wir haben uns nach der ersten Nacht an all das gewöhnt und konnten uns am nächsten Tag über den Ausblick aufs weite Meer, den Fahrtwind und die drei kostenlosen Mahlzeiten freuen (das Fleisch haben wir dabei an unseren freundlichen Schlafplatz-Nachbarn verschenkt). Man entwickelt eine Art Galgenhumor und kann sogar über die Kakerlaken-Invasion lachen. Wie wir im Vipassana gelernt haben: Accept reality AS IT IS. ✨

All das ist Reisen eben auch. Nicht nur irgendwelche tollen Poser-Bilder auf Instagram. Anstrengung, Ekel und Leid gehören auch zum Backpacker-Leben dazu – zumindest bei Reisen durch Entwicklungsländer. Und auch auf dem Schiff haben wir wieder feststellen können: Je ärmer eine Region ist, desto herzlicher, offener und vertrauensvoller die Menschen dort. Qualitäten, die durch Reichtum scheinbar häufig verloren gehen. 🤷‍♀️

Fazit: Hätten wir lieber das Flugzeug nehmen sollen?

Nein, finden wir! Denn auch wenn Reisen ohne Flugzeug langwieriger und anstrengender ist, hat es doch einige Vorteile.

Zum einen gibt es einem ein viel besseres Gefühl für Entfernung zwischen zwei Zielen. Das Phänomen vieler Reisender, dass “die Seele”  bei Flugreisen nicht so schnell hinter dem Körper herkommt, tritt bei so langsamen Reisetempo nicht auf.

Zum anderen hat man so die Möglichkeit, mal wieder ganz neue Erfahrungen und Bekanntschaften zu machen. 33 Stunden zusammen mit vielen “Locals” gibt Einblicke in Land & Kultur, die man bei einer schnellen Flugreise vermutlich nicht machen könnte. So zeigt sich das Leben aus einer neuen Perspektive und lässt uns dankbarer sein für all den Komfort, den wir sonst so besitzen. Das Gefühl, an Bord eines solchen Schiffes zu sein und dort für einen bestimmten Zeitraum ausharren zu müssen, kannten wir vorher nicht. Das Gefühl, an dem einem Flughafen ein- und am anderen wieder auszusteigen, dagegen schon. ✈️

Schritt 3: Wie geht es weiter?

Nach 33 Stunden Schifffahrt von Bintan aus ist unsere Odyssee vorbei und wir sind in der Hauptstadt Indonesiens angekommen. Es ist also tatsächlich möglich, mit dem Schiff von Singapur nach Jakarta zu kommen!
Wohin die Reise von hier aus weiter geht? Das überlegen wir uns in den nächsten zwei Tagen. Zwischenziel ist Bali und vorläufiges Endziel Australien. Im besten Fall klappen auch dabei alle Strecken ganz ohne Flugzeug. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was uns noch erwartet und schicken euch ganz viele Grüße vom Äquator ins schöne, aber kalte Deutschland. 🤍

Foto auf das Ankunfts-Terminal im Hafen von Jakarta.

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