South Australia

Leben und reisen ohne Geld – Finanzierung als Langzeit-Reisende

Marcel mit "Cool"-Handzeichen vor dem Ozean nahe Adelaide

G’day, mate! ­čÖé

Da wir in letzter Zeit einige Fragen dazu bekommen haben, wie wir uns als Langzeit-Reisende finanzieren, melden wir uns heute mal mit einem Update zu unseren Finanzen.

…Oder auch nicht, denn eigentlich haben wir zur Zeit keine Finanzen. Wir “reisen” gerade ohne Geld. ­čśÇ

Mann mit leeren Hosentaschen

Wie wir ohne Einnahmen und Ausgaben leben und trotzdem alles haben, was wir brauchen.

Nachdem wir ein dreiviertel Jahr durch S├╝dostasien gereist sind und in dieser Zeit haupts├Ąchlich von unseren Ersparnissen (ca. 5000ÔéČ pro Person) gelebt haben, war uns sp├Ątestens bei Ankunft in Australien klar, dass das so nicht weiter gehen kann. Daf├╝r ist Australien einfach zu “teuer”.

Seit mittlerweile fast einem Jahr leben wir jetzt in Australien und haben unsere Ersparnisse in Euro seitdem kaum anger├╝hrt.

Aber… wovon leben wir dann?

Die Antwort ist so sch├Ân, wie sie einfach ist: von unserer Arbeit und von der Herzlichkeit anderer Menschen. ­čÖé

Wir leben also quasi auf Tausch-Basis. Wir helfen als Freiwillige und bekommen im Gegenzug Unterkunft, Verpflegung, teilweise sogar Kleidung, einen┬áUrlaub auf Kangaroo Island┬áund jede Menge neue Erlebnisse, wie z.B. das Schie├čen Feuerwaffen.

Vielleicht sieht der ein oder andere jetzt keinen Grund, statt gegen Geld “nur” f├╝r Unterkunft und Verpflegung zu arbeiten, aber f├╝r uns sind┬ádie Unterschiede zwischen Freiwilligenarbeit und Arbeit gegen Geld gigantisch.

Wir haben schon oft dar├╝ber gesprochen, warum genau wir Freiwilligenarbeit so viel mehr m├Âgen, als Arbeit gegen Geld. Hier sind unsere liebsten Gr├╝nde.

Marcel mit zwei Shotguns

Die Vorteile von Freiwilligenarbeit

Wenn man als Freiwillige(r) arbeitet, hat man die Chance, wirklich tiefe Freundschaften aufzubauen. Einfach, weil kein Geld als Bezahlung im Spiel ist. Unsere Bezahlung ist Freundschaft und Dankbarkeit und das f├╝hlt sich sehr gut an.

“Gib und dir wird gegeben.”

Und auf irgendeiner Art und Weise bekommt man meistens doch eine Art “Bezahlung” – nur eben nicht in Form von Geld, sondern eher in Form von Gebrauchsgegenst├Ąnden, Erlebnissen und gemeinsamer Zeit. Das ist dann manchmal wie eine richtige┬á├ťberraschung, weil man pl├Âtzlich Dinge bekommt, die man sich sonst nicht selber gekauft h├Ątte.

So bekamen wir z.B. immer mal wieder┬áKleidung aus dem Second Hand Laden geschenkt, wir wurden in den Urlaub nach Kangaroo Island eingeladen und wir haben das Schie├čen mit Feuerwaffen gelernt. Zack – statt Geld bekommen wir eben direkt die Dinge, die wir brauchen. ­čÖé┬á

Au├čerdem ist man weniger verpflichtet. Wenn man freiwillig f├╝r Freunde arbeitet, kann man auch mal ein paar Tage Pause machen, wenn man sich nicht gut f├╝hlt (so Marcel z.B. mit seinem verletzten Knie). Keine Krankschreibung, kein schlechtes Gewissen, sondern nur echtes Mitgef├╝hl. Das Arbeiten passiert mit weniger Druck, Stress und Pflichtgef├╝hl, sondern eher aus Freude und Hilfsbereitschaft.┬á

Bei Freiwilligenarbeit haben wir nicht das Gef├╝hl, dass wir Zeit gegen Geld tauschen.

Allerdings gibt es beim Reisen + Arbeiten als Freiwillige ein paar Dinge, die wir bei  immer beachten.

Als allererstes h├Âren wir auf unser Gef├╝hl. Wir passen auf, dass wir nicht als “billige” oder sogar illegale Arbeitskr├Ąfte ausgenutzt werden. Bisher ist das zwar zum Gl├╝ck nicht passiert und wir haben uns immer als Freunde oder sogar Familienmitglieder aufgenommen gef├╝hlt, aber falls es mal so sein sollte, w├╝rden wir direkt wieder gehen.┬áFreiwilligenarbeit sollte nichts mit “Ausnutzen lassen” zu tun haben.

Ansonsten geht das Leben ohne Geld durch Freiwilligenarbeit ganz gut, wenn wir auf folgende Dinge achten:

Dinge, die wir beim “Reisen” ohne Geld beachten

  1. Geld in der R├╝ckhand haben. Ganz ohne Geld reisen wir also nicht, denn nat├╝rlich gibt es immer mal wieder Dinge, f├╝r die wir Geld brauchen. Sei es z.B. Sprit f├╝r unser Auto, Geschenke f├╝r unsere Freunde oder eine Auslandsreise-Krankenversicherung… Ganz ohne Geld ist das Reisen eine Ecke schwieriger (oder unkomfortabler). Wir l├Âsen das Problem, in dem wir immer mal wieder f├╝r eine kurze Zeit doch gegen Geld arbeiten und uns neue Reserven anlegen
  2. Nach neuen /abwechselnden Erfahrungen suchen. Auch Freiwilligenarbeit w├╝rde uns nach einer Weile keinen Spa├č mehr machen, wenn wir immer wieder nur das gleiche machen w├╝rden. Wir haben ziemlich viel Freude und Spa├č dabei, wenn wir immer mal wieder neue Aufgaben bekommen und coole, neue Dinge dabei lernen.
  3. In das Leben des Gastgebers eintauchen und neue Dinge (egal wie seltsam) annehmen. Dazu z├Ąhlen z.B. Nudismus bei unserem Ozzie Dad und der Glaube an┬áKreationismus auf der Farm.┬áNachdem wir uns an diese Dinge gew├Âhnt hatten und sie ohne Vorurteile anschauen konnten,┬áhaben wir neue Perspektiven auf unsere bisherigen Ansichten gewonnen. Das war ein bisschen so, als ob man f├╝r kurze Zeit eine neue Rolle ausprobiert. ­čÖé

Marcel mit

Wie wir ohne Geld leben und reisen

Die letzte Frage, die noch bleibt, ist: Wie finden wir die “Jobs” als Freiwillige? Folgende M├Âglichkeiten haben wir bisher getestet:

  • ├ťbernachten ohne Geld geht z.B. prima ├╝ber Couchsurfing. Wir wohnen zur Zeit kostenlos bei unserem Ozzie Dad Bruce, den wir ├╝ber Couchsurfing kennen gelernt haben.
  • Arbeitspl├Ątze als Freiwillige haben wir teilweise unter Workaway.info gefunden (z.B. Arbeiten in Indien oder Thailand)
  • Und teilweise kamen wir ├╝ber Facebookgruppen an Menschen, die Helfer suchten oder ihr Fahrzeug kostenlos zur Verf├╝gung stellten (Relocation). So haben wir unsere Arbeit auf der Farm und unseren Van f├╝r den Roadtrip durchs Outback gefunden.
Damit kamen wir bisher ganz gut zurecht. Wir hatten aber auch sehr viel Gl├╝ck, dass wir unseren Ozzie Dad Bruce gefunden hat.

Anlaufstellen f├╝rs Reisen ohne / mit wenig Geld

Au├čer den Dingen, die wir bisher getestet haben, haben wir noch von einer Reihe weiterer Websites und Apps geh├Ârt, die f├╝rs Reisen ohne Geld n├╝tzlich sein k├Ânnten.

Hier ist unsere Liste:

Freiwilligenarbeit

├ťbernachten

  • Couchsurfing.com
  • Regionale Facebookgruppen
  • Kostenlos im Auto auf Rastpl├Ątzen am Highway (Australien: App “Campermate”)

Transport

  • imoova.com (Fahrzeuge f├╝r Relocations)
  • Tank-Apps wie z.B. Petrol Spy f├╝r g├╝nstigste Preise (Australien)
  • Regionale Facebookgruppen

Essen

  • App: Too Good To Go (bisher nur in einigen L├Ąndern verf├╝gbar)
  • App: Olio (zum Teilen von Lebensmitteln & Gegenst├Ąnden in der Nachbarschaft)
  • Regionale Facebookgruppen
 
Die regionalen Facebookgruppen kommen nicht ohne Grund in jeder der Rubriken vor. Hier suchen und finden sich Menschen, mit allen m├Âglichen Arten von Angeboten und Hilfegesuchen. Es lohnt sich definitiv als Reisender, den regionalen Gruppen (z.B. Backpacker Adelaide, …) beizutreten und ein paar Tage die Postings zu beobachten.

Marcel mit Hund auf Kangaroo Island

Fazit zum Reisen ohne Geld

Auch wenn es erstmal unkomfortabel und schwierig klingt, hat Reisen ohne bzw. mit sehr wenig Geld für uns definitiv auch seine Vorteile. 

Wir haben durch Couchsurfing und Freiwilligenarbeit viele Dinge erlebt, die wir in Hostels oder als normale Arbeiter nicht erlebt h├Ątten. Und ganz generell haben wir dabei nicht das Gef├╝hl unsere Lebenszeit gegen Geld zu tauschen, sondern eher das Gef├╝hl etwas Sinnvolles zu tun. Ein bisschen so, wie ein kleines Abenteuer zu erleben. ­čÖé

Demn├Ąchst werden wir unsere Ersparnisse in australischen Dollars aber wieder etwas aufstocken m├╝ssen. Vermutlich bei der “Cherry-Lady”, aber dazu in den n├Ąchsten Beitr├Ągen mehr.┬á

Bis dahin, viele liebe Gr├╝├če!┬áÔÖí

Foto von Mona am Meer an ihrem Geburtstag in Australien

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