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Roadtrippin’ the Australian Outback – Erfahrungen im Outback Australiens

Marcel auf Campervan stehend mitten im australischen Outback

Es ist heiß. Sehr heiß. Das Handy zeigt eine Temperatur von 41 Grad Celcius an. Nicht einmal der Fahrtwind kann mir bei diesen Temperaturen etwas Abkühlung verschaffen. Eher im Gegenteil: der Fahrtwind im Outback Australiens wirkt wie ein Föhn. Ich schaue zu Marcel. Er fährt unseren alten Toyota Camper-Van schon seit einigen Stunden durch die karge, rote Buschlandschaft. „Nur noch 250 Kilometer bis zum nächsten Ort…“ Ich seufze, trinke einen Schluck Wasser und schütte mir den Rest der Flasche über den Kopf.

So oder so ähnlich hat sich diese Szene in der letzten Woche mehrmals täglich abgespielt. Die nächste Etappe unserer Reise wurde nämlich ganz unverhofft wieder zu einem Abenteuer. 🤷‍♀️


Die ersten Tage in Australien

Nach Ankunft mit der AIDA in Darwin, Australiens nördlichster Stadt, sind australische SIM-Karte und australisches Bankkonto schnell beantragt. Nur mit dem Job ist es kniffeliger. Da viele Menschen in Darwin über die Weihnachtszeit ihre Familien in den weniger tropischen Gebieten Australiens besuchen, ist die Stadt Ende Dezember wie ausgestorben. Außerdem ist gerade keine Saison für Farmarbeit und außer einem Langzeit-Job in der Perlenindustrie sind keine Backpacker-Jobs aufzutreiben. Wir beschließen also, weiter in den Süden zu reisen, um unser Glück dort zu probieren. 


Ein kostenloser Campervan? Gerne!

In einer Facebook-Gruppe (Backpackers Darwin) finden wir eine Frau, die online ein Auto in Darwin gekauft hat und dieses nun zu sich nach Adelaide transportiert haben möchte. „Relocation“ wird dieser Prozess des Umpositionierens eines Autos im Englischen genannt. Wir müssen nichts für das Auto bezahlen und dürfen einen voll ausgestatteten Camper-Van innerhalb von zehn Tagen von Darwin nach Adelaide bringen.

(Alternativ gibt es auch Angebote für eine Relocation gegen Bezahlung auf der Website imoova.com, allerdings hat man hier für die Umpositionierung weniger Zeit zur Verfügung.)

Wir bekommen die Schlüssel für den Van von einem französischen Pärchen (den Verkäufern des Vans) übergeben und checken das Auto nochmal ab, bevor die beiden wieder gehen. Dann füllen wir Tank und Wasserkanister auf, machen einen Großeinkauf voller haltbarer Lebensmittel und starten unseren Roadtrip durch das Outback Australiens. 🍏🍞💧🚌


Roadtrip ins Outback Australiens!

Wir fahren immer entlang des Stuart Highways, der Australiens Norden mit dem Süden verbindet. Je weiter wir in den Süden kommen, desto karger und unbewohnter wird die Landschaft. Kerzengrade Straßen bis zum Horizont und kein anderes Auto weit und breit. Die Strecke, die wir vor uns haben, entspricht ungefähr der Strecke von Nord-Deutschland nach Portugal – gute 3000 Kilometer. Das Land ist so weit! Und so leer…

Wir verstehen jetzt, warum man vorsichtig sein sollte, wenn ein Australier sagt, dass etwas gleich um die Ecke wäre. Damit kann er eine Distanz von 100 Kilometern meinen. 😅 Wir hoffen inständig, dass wir den ganzen Roadtrip durch das Outback Australiens ohne Reifenpanne, leeren Tank oder Wild-Unfall überstehen werden.

Unser erster Halt ist der Litchfield Nationalpark, um uns die riesigen Termiten-Hügel dort anzuschauen und uns in den Wasserfall-Seen abzukühlen. Ein weiterer Stopp sind die heißen Quellen von Mataranka. Diese sind mit ihren klaren Wasservorkommen wie eine Oase inmitten des zu dieser Jahreszeit kargen und lebensfeindlichen Outbacks. 🏝 


Campervan-Leben – Fluch oder Segen?

Bisher ist alles gut gegangen und wir gewöhnen uns langsam an das Van-Leben. Das größte Problem stellt momentan die unglaubliche Hitze des Outbacks dar.

Ab 10 Uhr vormittags wird es heiß in unserem Van und die Temperatur hält sich bis abends. Der Van hat zwar eine Klimaanlage, aber bei den Temperaturen funktioniert diese nicht richtig und ihre Inbetriebnahme würde unseren Spritverbrauch verdoppeln. Bei den Distanzen zwischen den Tankstellen im Outback Australiens können wir uns das Anschalten der Klimaanlage also leider nicht erlauben. Stattdessen trinken wir Unmengen an Wasser. Jeder etwa 5 Liter am Tag. 😯

Wo wir schlafen? Im Van auf kostenlosen Highway-Rastplätzen. Diese kostenlosen Rastplätze finden wir über die App „CamperMate“. An einem Rastplatz angekommen, klappen wir unser Bett im hinteren Teil des Vans aus, duschen mit dem Wasser aus einem 25 Liter Kanister auf unserem Dach und beobachten die Abenddämmerung. Die Farben des abendlichen Outbacks und der Sternenhimmel hier entschädigen die Strapazen des Tages!

Mit Einbruch der Dunkelheit verschwindet die brennende Sonne und das Leben wird angenehmer, aber die Temperaturen im Van kühlen erst nach Mitternacht deutlich ab. Habt ihr schon mal probiert, in einer Sauna einzuschlafen? So ähnlich haben sich die ersten Nächte im Van im Outback Australiens für uns angefühlt.  🧖‍♂️🧖‍♀️

Hier mal ein paar Bilder unseres Campervan-Alltags ohne Handy-Empfang, Kochen mit Fliegen-Plage und einem nächtlichen Gewitter-Sturm… 😀 


Rettung am Lake Mary Ann

Noch eine Oase finden wir am Lake Mary Ann. Und diese haben wir auch bitter nötig. Denn nach einer weiteren Nacht im heißen Outback müssen wir unseren Rastplatz morgens fluchtartig verlassen, weil wir von einem Schwarm Fliegen belagert werden. Die Fliegen sind hier wirklich penetrant: Sie fliegen einem sogar in die Augen und in die Ohren. Da wir uns an diesem Morgen weder waschen, noch Zähneputzen oder Kaffee kochen konnten, steuern wir den nächsten Rastplatz am Lake Mary Ann an – in der Hoffnung, dass es dort weniger Fliegen gibt und in der Hoffnung auf Süßwasser. Mitten im kargen Outback entwickeln wir nämlich plötzlich das unglaubliche Bedürfnis, in einem kühlen See schwimmen zu gehen…

Aber Pustekuchen. Der See ist ausgetrocknet… Trotzdem ist das kein Problem, denn der Lake Mary Ann rettet uns anders aus der Misere. Es gibt hier kostenlose Duschen! Welch ein Segen und welche Glücksgefühle, als wir uns mit ausreichend Wasser vernünftig waschen können. Da stören auch die sechs Spinnen am Rand der Duschkabine nicht.

Außerdem gibt auf dem Rastplatz am “See” ein paar Bäume, die angenehm kühlen Schatten spenden, deutlich weniger Fliegen und jede Menge schöner Vögel. Darunter auch prächtige Pfauen-Männchen.


Das Highlight des Roadtrips: Der Uluru

Am vierten Tag erreichen wir den Uluru, oder auch bekannt als „Ayers Rock“. Inmitten des ansonsten flachen, riesigen Outbacks erhebt sich der größte Monolith der Welt. Er ist das Symbol von Australien und Heiligtum der Aborigines. Dieser Ort ist wirklich besonders.

Aufgrund der heißen Temperaturen sind viele Wanderwege entlang des Uluru gesperrt. Die Ranger des Uluru-Nationalparks haben Angst, dass die Touristen bei zu langen Wanderungen ( also mehr als 1 Kilometer) einen Hitzschlag erleiden. Wir wandern also nur die paar Routen entlang, die geöffnet sind. Aber auch das ist schon sehr faszinierend. Wandmalereien der Ureinwohner, Höhlen, die aussehen wie riesige, versteinerte Wellen und Spuren von Wasser, das in regenreicheren Zeiten die Hänge des Uluru hinab läuft. Neben den spektakulären Sonnenuntergängen und den gigantischen Sternenhimmeln ist der Uluru definitiv das Highlight unseres Roadtrips durch das Outback Australiens! 🌟 


Hey, ab in den Süden!

Nach dem Stopp am Ayers Rock brauchen wir zwei weitere Tage, um das Meer im Süden des Landes zu erreichen. Heiligabend verbringen wir also auch im Campervan… mit vielen Fliegen, Duschen mit dem Kanister-Wasser und Schlafen an spärlich ausgestatteten Highway-Parkplätzen. Aber immerhin ist bis hierher alles gut gegangen – kein platter Reifen, kein Wildunfall und kein leerer Tank.

Unterwegs sehen wir noch die Opal-Minen rund um die Bergbau-Stadt Coober Pedy. 💎 Die Menschen in Coober Pedy leben zum Teil in unterirdischen Wohnungen,  um sich besser vor der Hitze im Sommer schützen zu können. Diese Stadt mitten im nirgendwo in den Weiten des Outbacks überrascht uns einmal mehr. Was für krasse Dimensionen!


Endlich wieder richtig duschen! 😀

Der Rest unseres Roadtrips durch das Outback Australiens lässt sich schnell erzählen.  Wir fahren immer weiter in Richtung Adelaide und kommen relativ gut durch. Da die Übergabe des Campervans aber erst in zwei Tagen stattfindet, schlafen wir noch eine Nacht im Van auf einem Parkplatz neben dem Highway und buchen uns für die zweite Nacht eine AirBnB-Unterkunft.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr wir die erste richtige Dusche, Essen kochen ohne Fliegen und Schlafen in einem großen Bett genossen haben! Dafür kostet der ganze Komfort natürlich auch seinen Preis. Aber zum Glück haben wir super klasse Familien, die uns zu Weihnachten Geld geschickt haben. Danke Danke Danke dafür! ❤️❤️❤️

Um unser restliches Budget zu schonen, schauen wir uns jetzt nach Couchsurfing / Workaway / Arbeitsplätzen in Adelaide um. Hoffentlich können wir euch bald von unserem neuen Reiseabschnitt berichten.

Bis dahin wünschen wir euch noch eine besinnliche, letzte Dezember-Woche und ein frohes, neues Jahr! Teilt uns gerne eure Gedanken und Erfahrungen zu Roadtrips oder krasser Hitze unten in den Kommentaren mit und folgt uns auf Instagram für noch mehr Bilder. 🙂 Danke und viele liebe Grüße aus Down Under! ❤️🎄

2 Gedanken zu „Roadtrippin’ the Australian Outback – Erfahrungen im Outback Australiens

  1. Ihr Lieben, euer Blog ist so spannend geschrieben. In Down Under hat mittlerweile schon das Neue Jahr 2020 angefangen und hat sicherlich reichlich neue Erlebnisse für euch parat. Ich hoffe, dass ihr gut bezahlte Arbeit findet und eure Urlaubskasse rasch auffüllen könnt. Ich freue mich auf neue interessante Berichte, grüße euch von Herzen und wünsche Euch ein gesundes, erfolgreiches Jahr in Down Under. Vermutlich werdet ihr da noch länger verweilen und viel Neues sehen und erleben. Liebe Grüße, Christiane

    1. Danke! ♡ Bisher stocken wir unsere Reisekassen mit Gelegenheitsjobs und Couchsurfing auf, aber wir hoffen, dass wir jetzt im neuen Jahr schnell einen festen Job für mehrere Monate finden können. Die nächsten Berichte folgen dann. 🙂
      Wir wünschen dir ebenfalls ein frohes, neues Jahr! Ganz viel Gesundheit, Glück, Freude und Erfolg!
      Viele liebe Grüße! ♡

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