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What a life! – Unser (nacktes) Leben bei Bruce

Marcel rennt mit Buddy am Strand von Adelaide

“Die letzten vier Wochen waren wohl die längsten zwei Tage deines Lebens.”, sagte Bruce und lachte. Recht hatte er, denn aus ursprünglichen zwei Nächten, die wir bei unserem nackten Gastgeber Bruce couchsurfen wollten, wurde letztendlich ein ganzer Monat!

Was wir in der Zeit erlebt haben? So einiges! Und bevor wir Bruce Ende Januar verlassen müssen, wollen wir von den Erfahrungen mit unserem “Ozzie Dad” in Adelaide berichten. What a life!

Unser Alltag – What a life!

Bevor wir zu den Besonderheiten kommen, berichten wir erstmal von unserem unglaublichen Alltag bei Bruce. Achtung, Trommelwirbel… Unser Alltag besteht darin, DAS ZU TUN, WORAUF WIR LUST HABEN!

Nein ernsthaft. Wie oft im Leben hat man wirklich mal Zeit, in der man rein gar nichts zu tun hat? Wir haben Arbeit als Weintrauben-Pflücker für Anfang Februar gefunden. Haben ein Auto gekauft und registriert. Und die Unterkunft nahe der Weintrauben-Plantage ist auch gebucht. Es gibt also nichts Dringendes mehr zu tun.

Bruce arbeitet von Montag bis Freitag von 8 bis 18.00 von zuhause aus. Nach der Arbeit geht er eine Runde mit seinem Hund und kocht für sich und uns ein frisches Abendessen. Meistens bleibt so viel davon übrig, dass wir auch am nächsten Tag davon noch zu Mittag essen können. Samstag besuchen wir seine Enkelkinder und jeden Sonntag stehen Großeinkauf und Hausputz auf dem Programm (Nach harten Verhandlungen lässt uns Bruce auch zumindest den Großeinkauf am Sonntag bezahlen. So können wir unsere Dankbarkeit immerhin ein kleines bisschen ausdrücken!). Außerdem gibts am Wochenende morgendliche Strandspaziergänge mit dem Hund Bud – oder: BUDDY, wie wir ihn liebevoll nennen.

Die dunkle Woche

Wie das Leben nun mal so spielt, ist natürlich nicht alles rosig. Es gibt ups und downs und leider gibt es auch eine düstere Woche in diesem Kapitel. Ich (Mona) wurde nämlich krank. Nach unserem Gelegenheitsjob Anfang Januar, bei dem wir auf einer Kirsch-Plantage aushalfen, fühlte ich mich super schwach, müde und litt unter Appetitlosigkeit. Noch dazu schwang das Wetter von sonnig und warm auf neblig und düster um.

Was taten wir also, um mich wieder aufzupäppeln? Marcel verordnete mir warme Socken, Kamillentee und Bettruhe. Er selber entdeckte ein neues Handyspiel und leistete mir Gesellschaft während der Bettruhe. So oder so ähnlich verbrachten wir eine ganze Woche lang und erholten uns von all dem Trubel des letzten dreiviertel Jahres auf Reisen!

 

Außergewöhnliche Bekanntschaften

Selbst mit einer Woche Krankheit und unserer derzeitigen Unlust zu Sightseeing, bietet ein ganzer Monat noch genügend Zeit für hochinteressante Dinge. Denn bei Bruce kommen die spannenden Dinge sozusagen nach Hause geliefert. Oder, wie er sagt: “Ich hab keine Lust die Welt zu bereisen. Ich lasse die Welt einfach zu mir kommen!” Und schon wieder dachten wir nur “What a life!” 🙂

Der Monat begann mit einem Besuch von Niki, einem chinesischen Mädchen, die letztes Jahr für acht Monate bei Bruce gewohnt hatte. Wir hatten im letzten Beitrag über das Happy Nude Year schon von unserem Abendessen mit ihr berichtet. Sie gab uns viele Backpacker-Tipps und half uns letztendlich auch dabei, den Job auf der Weintraubenfarm zu finden.

Dann begegneten wir bei einem Spaziergang durch die Innenstadt von Adelaide die beiden Menschen, die den großen, deutschsprachigen Reiseblog 22places schreiben! Schon in Nepal, als ich mich viel mit meiner neuen Kamera auseinandergesetzt habe, bin ich über die genialen Reisefotografie-Tipps von den beiden gestolpert und habe viel aus ihren Berichten gelernt. Und jetzt haben wir Jenny & Basti von 22places und ihren kleinen Sohn ganz spontan und überraschend persönlich getroffen und uns eine gute Viertelstunde lang sehr nett mit ihnen unterhalten! Wie wunderbar und zufällig sich die Dinge manchmal ergeben können…


Ein Geheimnis, das uns völlig unerwartet verraten wurde

Sehr spontan bekamen wir außerdem Besuch von zwei US-Amerikanern. Conner, ein ehemaliger Couchsurfer von Bruce, der zusammen mit seinem Freund eine Unterkunft für eine Nacht brauchte. Die beiden durften  im Wohnzimmer schlafen, denn das Gästezimmer hatten wir ja schon belegt.

Conner ist schon seit fast einem Jahr in Australien und erzählte uns von seinen Erlebnissen hier. Dann gab er uns einen extrem spannenden Geheimtipp, bei dem mein Herz sofort begann, höher zu schlagen. Bevor er uns allerdings Details zu seinem Tipp verriet, ging er zu seinem Auto und holte ein kleines, dunkles Säckchen. Er hielt es flach über den Tisch, schüttelte vorsichtig daran und was kam heraus?

Ca. zehn Radiergummi-große, magisch gläzende Steine. Opale! Er hatte für einen Monat in Yowa nach Opalen gegraben und die Ausbeute war nicht schlecht (er hatte noch mehr Edelsteine in seinem Wagen). Die Lizenz zum Opal-Suchen kostet in Yowa wohl ca. 15 australische Dollar für einen Monat. Allerdings sind die einzelnen Fundstücke im Normalfall kein Vermögen wert, weil sie nicht die begehrteste Farbe und größte Reinheit besitzen. Aber trotzdem! Bei den schillernden Formen und Farben der Steine wusste ich sofort: Das will ich auch machen!

So sieht ein Opal aus. Foto ist aus der pixabay-datenbank, da ich leider kein Foto von Conners Steinen gemacht habe.

Hoffentlich kommen wir im Verlauf des Jahres in Yowa vobei. Dann können wir euch vom Leben als Schatzsucher berichten. 🙂 Als Conner und sein Freund abreisten, dauerte es nicht lange, bis die nächsten besonderen Gäste zu Besuch kamen.

Ein Nudist + zwei Nudisten = 3 Nudisten

Und mit 3 Nudisten wollen wir nicht sagen, dass wir plötzlich auch diesen Lifestyle bevorzugen. Nein. Aber wir machten noch eine außergewöhnliche Bekanntschaft in unserer Zeit bei Bruce.

Kurz vor dem Australia Day am 26.1. kamen uns zwei weitere Nudisten besuchen, die für vier Tage bei Bruce übernachten wollten.
Simon ist ein 66-jähriger Engländer, der mittlerweile in Irland lebt und schon über 400 Gäste in seinem Haus über Couchsurfing aufgenommen hat. Er war Taxi-Fahrer in London und hat in den 90ern Cannabis-Busfahrten von London nach Amsterdam organisiert.
Elizabeth ist eine 22-jährige US-Amerikanerin, die letztes Jahr für drei Monate auf Simons Haus in Irland aufgepasst hat, während er auf Reisen war.

Die beiden sind kein Paar, sondern Reisepartner, die sich spontan für eine Reise durch Australien entschieden hatten. Die letzten drei Wochen haben sie in einem Nudisten-Camp am Strand nahe Mount Gambier verbracht, wollten jetzt aber für ein paar Tage dem Trubel im Camp um den Nationalfeiertag “Australia Day” entkommen.

Doch noch ein bisschen Sightseeing…

Da Bruce am Donnerstag und Freitag noch viel Arbeit zu erledigen hatten, begleiteten wir die beiden  (Simon & Elizabeth) auf ihre Ausflüge durch Adelaide. Zuerst besichtigten wir zusammen die State Library of South Australia, die zu einer der schönsten Bibliotheken der Welt gewählt wurde. Aber seht selbst:

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug zum Hafen von Adelaide (Port Adelaide), um nach wilden Delfinen Ausschau zu halten. Und von einem Boot aus hatten wir tatsächlich Erfolg dabei. Innerhalb von 1,5 Stunden sahen wir bestimmt 15 Delfine! Die meisten Tiere sahen wir zwar nur aus der Distanz, aber manche schwammen auch ziemlich nah. Leider sind mir keine guten Bilder von den Delfinen gelungen.

An dieser Stelle müssen wir wohl noch ein Geheimnis verraten. Nach zwei Tagen sind wir dem Herdentrieb der drei Nudisten um uns herum gefolgt und haben uns einfach getraut, es auch mal auszuprobieren.

Wie beim Klippenspringen in Bali hat es am Anfang einiges an Überwindung gekostet, die “Hüllen fallen zu lassen”, aber nach ca. einer Stunde fühlte sich das nackig rumlaufen schon relativ normal an. Aber dauerhaft werden wir wohl nicht zu Nudisten konvertieren. Es ging uns eher darum, einfach mal neue Dinge ausprobieren – denn dafür sind wir auch auf Weltreise gegangen.

What a life…

Während ich diesen Bericht schreibe, kann ich selber gar nicht glauben, was wir im letzten Monat beim Nichtstun alles erlebt haben. Wir haben so viele hochinteressante, untypische Menschen getroffen. Und alle waren super freundlich, nett und hilfsbereit.

Manchmal waren Marcel und ich so erstaunt über unsere derzeitige Situation (Langzeit-Couchsurfer bei einem Nudisten in Australien), dass wir uns nur gegenseitig angucken konnten und dabei dachten “What a life!” (Was ein Leben!).

Es ist wirklich spannend, wie das Leben spielen kann, wenn man es nur lässt. Der nächste Bericht wird vermutlich über Rückenschmerzen und Sonnenbrand vom Weintrauben pflücken in der australischen Mittagshitze handeln. Bis dahin – viele liebe Grüße und bis bald! ♡

2 Gedanken zu „What a life! – Unser (nacktes) Leben bei Bruce

  1. Hallo ihr Beiden!
    Das Leben ist eine Wundertüte.
    Ich bin begeistert über euren Mut auf andere Menschen zu zugehen
    und neues zu wagen.
    Bleibt dabei immer auch wachsam.
    Denn nicht überall auf der Welt gibt es nur gut Menschen.
    Liebe grüße von Zuhause
    Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg und liebes Menschen die euch gut zugetan sind!

    1. Hallo und danke für eure lieben Worte! Ja das stimmt, das Leben kann manchmal so bunt sein und so unerwartete Wendungen nehmen. Und mit Bruce haben wir wirklich großes Glück gehabt. 🙂 Wir werden immer aufpassen, versprochen! Ganz ganz viele Grüße zurück nach Deutschland! ♡

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